Landeskirchenarchiv bezieht in Eisenach einen vier Millionen Euro teuren Bau

"Archive sind Zeugnisse für die Vergänglichkeit; Altes vergeht und wir sind froh, wenn von dem was vergeht, noch etwas bleibt, um die Zeugnisse des Vergänglichen für die Zukunft bewahren zu können", betont Landesbischöfin Ilse Junkermann zur Einweihung der neuen Heimat des Landeskirchenarchivs im Eisenacher Nordwesten.

Einige Bücher im Landeskirchenarchivseien so kostbar, dass sie an die Kette gelegt werden müssen, schmunzelt Archivleiterin Hannelore Schneider zur gestrigen Einweihung. Foto: Norman Meißner

Einige Bücher im Landeskirchenarchivseien so kostbar, dass sie an die Kette gelegt werden müssen, schmunzelt Archivleiterin Hannelore Schneider zur gestrigen Einweihung. Foto: Norman Meißner

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Eisenach. Weit mehr als 200 Gäste wohnten dem feierlichen Gottesdienst im Andachtsraum des Diakonischen Bildungsinstituts "Johannes Falk" bei. Mit dem Wissen der Vergangenheit lassen sich Gegenwart und Zukunft viel besser gestalten, so Junkermann weiter. Der Posaunenchor Eisenach und auch der Schulchor der nahen Evangelischen Grundschule gestalteten die Feierstunde musikalisch. "Das Archiv ist ein Ort der Vergangenheit und wir sind ein Ort der Zukunft, wir hoffen aber, dass die Geschichte unserer Schule vielleicht einmal dort bewahrt wird", sagt Schulleiterin Manja Güldenpfennig. Mit dem modernen Archivbau gebe es nun "kurze Wege in die Geschichte unserer Kirche", so Junkermann weiter. Für die Grundschüler ist der Weg ins Landeskirchenarchiv nun richtig kurz. Deren Mitarbeiter möchten die Zusammenarbeit mit Schulen weiter vertiefen, altersgerechte Vorträge und Rundgänge anbieten. Über diesen pädagogischen Ansatz zeigte sich Junkermann besonders erfreut.

"Vor sieben Jahren hat man den Wunsch an mich herangetragen, ein Archiv zu schaffen mit einer Regallänge von insgesamt zehn Kilometern", erzählt Architekt Stefan Nitschke während der gestrigen Schlüsselübergabe. Die Auftraggeber fügten damals aber schnell hinzu: Zwölf oder 13 Kilometer wären noch viel besser. "Nach vielen schlaflosen Nächten und arbeitsreichen Tagen ist jetzt sogar Platz für Regale auf einer Länge von 14.452,8 Metern", erklärt Nitschke. Zunächst untersuchte er Möglichkeiten des Umbaus der Kreuzkirche. "Dort wäre man auf maximal sieben Kilometer Regallänge gekommen", sagt der Architekt. Schnell wurde in dem ehemaligen Wehrmachts- und Grenztruppen-Kasernenblock das ideale Gebäude gefunden. Vor drei Jahren erklärten die Auftraggeber, dass nicht so viel Geld ausgegeben werden könne, wie andere für Archivneubauten zur Verfügung haben. Nitschke versprach gestern der Festgemeinde, dass die veranschlagten 4,05 Millionen Euro nicht überschritten werden. Bettina Wischhöfer vom Verband kirchlicher Archive betonte in ihrem Grußwort, dass der Eisenacher Archivneubau der 20. kirchliche seit der Wiedervereinigung in Deutschland ist.

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf dankte der EKM (Evangelische Kirche Mitteldeutschland), dass man mit dem Archiv ein "bekennendes Zeichen" für Eisenach gesetzt hat. Der Bau werte den Stadtteil auf. Sie freut sich ferner, dass ein umweltfreundliches Gebäude entstand, welches mit wenig Wärmeenergie auskommt.

Im Erdgeschoss der alten Kaserne entstanden Räume für die Verwaltung, im Keller für Filme, Fotos, das Bauarchiv sowie Heizung und Archivtechnik. "Es gibt Schleusen, um Verschmutzungen zu entfernen oder eine Absauganlage für Schimmelpilze", führte der Architekt an. Im neuen Anbau ist ein Lesesaal sowie ein Seminar- und Veranstaltungsraum zu finden. Die oberen Etagen werden von Archivräumen mit dicht gedrängten Regalreihen dominiert. Die auf Schienen gelagerten Regalreihen mit dem mitunter tonnenschweren Archivgut kann der Mitarbeiter spielend leicht verschieben. So entsteht ein Gang zwischen den Regalen, wo er gerade gebraucht wird. So können deutlich mehr Regale aufgestellt werden. Damit die alte Kaserne die Archivlast aushält, mussten starke Betondecken neu eingezogen werden.

Der Umzug von der Kreuzkirche an die Thälmann-Straße wird noch zwei Wochen in Anspruch nehmen. "5000 Kartons sind schon angekommen; 35"000 sind es insgesamt", erzählt Dagmar Töpfer, die seit einem Jahr im Archiv arbeitet und für die Kirchenbuchverfilmung verantwortlich ist. Die Bestände werden nun anders in die Regale geräumt, als in der Kreuzkirche. "Wir sortieren die Bestände nicht mehr alphabetisch sondern führen die einzelnen Landeskirchen wieder zusammen", erklärt Archivleiterin Dr. Hannelore Schneider. Das Archiv beherbergt neun historische Landeskirchen sowie eine weitere für die das Eisenacher Archiv eine Teilzuständigkeit hat. Mit den übersichtlichen Regalreihen lasse sich die Arbeit viel besser abschätzen, die für die Aufarbeitung noch zu erledigen ist, so Schneider.

Der Archivneubau bietet nun viel Platz, um weitere Bestände aufnehmen zu können. Das Gebäude ist im Bedarfsfall mit einem Anbau erweiterbar, so der Architekt. Im Keller seien dazu die Voraussetzungen für eine Verbindung geschaffen. Nitschke schwebt für die mögliche Erweiterung ein Bücherturm nach Umberto Ecos Filmepos "Der Name der Rose" vor. Den Abbruch der einen Kasernenhälfte verteidigt der Architekt dennoch: "Auch wenn der Gebäudeteil leer steht, muss er erhalten und bewirtschaftet werden und das ist nicht mit wenigen Kosten verbunden".

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