3 Millionen mehr Fahrgäste in Regionalzügen

In Zeiten knapper Kassen und weniger potentieller Kunden aufgrund des demografischen Wandels kann ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nur durch die intelligente Verknüpfung aller Verkehrsträger gestaltet werden.

In Zeiten knapper Kassen und weniger potentieller Kunden aufgrund des demografischen Wandels kann ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nur durch die intelligente Verknüpfung aller Verkehrsträger gestaltet werden. Archiv-Foto: Marco Kneise

In Zeiten knapper Kassen und weniger potentieller Kunden aufgrund des demografischen Wandels kann ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nur durch die intelligente Verknüpfung aller Verkehrsträger gestaltet werden. Archiv-Foto: Marco Kneise

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Erfurt. "Gerade im ländlichen Raum müssen Regionalbuslinien und alternative Angebote wie Anruf-Sammeltaxen oder Bürger- und Rufbusse beispielsweise mit dem Nahverkehr auf der Schiene vernetzt werden. Deshalb investieren wir in ÖPNV-Verknüpfungspunkte, an denen mit Park & Ride Parkplätzen, Fahrradabstellanlage, Bushaltestelle und Bahnhof alle Nahverkehrsträger miteinander verbunden werden. So konnten wir im letzten Jahrzehnt die Zahl der Fahrgäste in den Regionalzügen um drei Millionen auf jährlich 21 Millionen steigern", sagte am Freitag Verkehrsminister Christian Carius in Erfurt.

Das Thüringer Ministerium für Bau, Landesentwicklung und Verkehr stellte auf eine Große Anfrage der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs in Thüringen vor. Zielgerichtete Investitionen in die Schienenwege und die Verknüpfung mit anderen Nahverkehrsträgern sind auf die Weiterentwicklung des integrierten Taktfahrplans ausgerichtet. So soll der ländliche Raum über zentrale Orte angebunden und die Ober- und Mittelzentren in Thüringen miteinander vernetzt werden. Ferner soll der künftige ICE-Knoten Erfurt, der ab 2017 Fernverkehrsangebote nach Berlin, Frankfurt, München und Dresden bietet, mit dem Schienenpersonennahverkehr schnell und komfortabel erreichbar sein. Länderübergreifend sollen auch die Fernverkehrsknoten in Leipzig, Halle, Bamberg, Würzburg, Kassel und Göttingen in den Thüringer Taktfahrplan eingebunden werden.

Nach Investitionen in den Ausbau der Strecken Erfurt-Würzburg, Arnstadt-Saalfeld, Eisenach-Eisfeld und Bad Langensalza-Kühnhausen steht künftig der Ausbau der Strecke Erfurt-Nordhausen im Mittelpunkt. Die Stadt Nordhausen soll später stündlich mit Express-Zügen in weniger als 60 Minuten mit dem ICE-Knoten Erfurt verbunden werden. Auf der Mitte-Deutschland-Verbindung wird der zweigleisige Ausbau der Streckenabschnitte zwischen Weimar und Großschwabhausen sowie Neue Schenke und Stadtroda bis 2015 erfolgt sein, wenn die ICE-Neubaustrecke nach Berlin in Betrieb geht.

Hintergrund: Nach Angaben der Deutschen Bahn AG wurden in den Ausbau der Schieneninfrastruktur in Thüringen seit 1990 rund 5,5 Milliarden Euro investiert. Das Land hat im vergangenen Jahrzehnt für den Schienenpersonennahverkehr jährlich rund 220 Millionen Euro bereit gestellt. Den Straßenpersonennahverkehr der kommunalen Aufgabenträger unterstützte das Land mit jährlich gut 60 Millionen Euro. Trotz gleichbleibender Finanzmittel und sinkender Bevölkerungs- und Schülerzahlen konnten zuletzt mit 21 Millionen Personen in Regionalzügen rund drei Millionen mehr Menschen (knapp 17 %) befördert werden als zehn Jahre zuvor. Auch der Ausbau des Straßenbahnnetzes führte zu einer Zunahme der Beförderungsleistung um rund 10 Prozent auf 71 Millionen Fahrgäste. Rückläufig ist hingegen die Nutzung von Bussen - insbesondere der Regionalbuslinien - mit rund 30 Prozent auf nunmehr 95 Millionen Personen. Insgesamt konnte damit der Anteil des öffentlichen Personennahverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen weiter ausgebaut werden. Bei den sinkenden Fahrgastzahlen auf den Regionalbuslinien spiegeln sich besonders die durch den demografischen Wandel verursachten Probleme im ländlichen Raum wieder.