Für mehr Sicherheit: Migranten in Hirschberg zu Verkehrsregeln geschult

Hirschberg  Zwei Veranstaltungen in Hirschberg. Menschen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan erleben die Polizei als Partner.

Ganz und gar bei der Sache sind die Kinder in Hirschberg, als Katrin Lorenz (l.) von der Jugendverkehrsschule des Saale-Orla-Kreises ihnen vor wenigen Tagen ­genau erklärte, wie man gefahrlos die Straße überquert. Foto: Simone Zeh

Ganz und gar bei der Sache sind die Kinder in Hirschberg, als Katrin Lorenz (l.) von der Jugendverkehrsschule des Saale-Orla-Kreises ihnen vor wenigen Tagen ­genau erklärte, wie man gefahrlos die Straße überquert. Foto: Simone Zeh

Foto: zgt

Mohamed ist das Auto, er trägt ein großes Pappschild um seinen Körper und kommt die imaginäre Straße entlang. Auf der rechten Straßenseite stehen Kinder, zehn oder elf an der Zahl. Sie sind die Fußgänger, welche die Straße überqueren wollen. Jetzt kommt Katrin Lorenz von der Jugendverkehrsschule des Saale-Orla-Kreises – die oft an den Schulen tätig ist – ins Spiel. Sie zeigt den Mädchen und Jungen, dass sie erst genau schauen müssen, ob die Straße frei ist, bevor sie diese überqueren.

Die Verkehrsschulung für die in Hirschberg lebenden Migranten simulierte gefährliche Situationen im Straßenverkehr. Und das aus gutem Grund. Die Kontaktbereichsbeamten der Polizei für den Bereich der Saalestadt, Matthias Bahr und Stephan Grimm, wussten von Hirschberger Bürgern, dass es immer wieder falsches Verhalten im Straßenverkehr von Flüchtlingskindern und auch erwachsenen Flüchtlinge gab. Hier sei es schon mehrfach zu einer akuten Gefahrensituation gekommen. Die Fahrer von Kraftfahrzeuge mussten Gefahrenbremsungen durchführen, um Zusammenstöße mit Fußgängern und auch Radfahrern zu verhindern.

Die Problematik "Verhalten im Straßenverkehr" kam dann auch im Gespräch der Polizeibeamten mit Kathrin Bianga, die sich unter dem Dach der Flüchtlingsinitiative um die in Hirschberg lebenden Menschen aus­ ­Syrien, dem Irak und Afghanistan kümmert, zur Sprache. Sie regte eine solche Schulung an, fragte bei der Polizei, inwieweit die unterstützend tätig werden könnte. Sie brachte das Anliegen auch im Landratsamt vor. Dortige Mitarbeiter erstellten daraufhin ein Konzept zur Verkehrsschulung für die Hirschberger Migranten, wobei um die Unterstützung der Polizeiinspektion Saale-Orla – speziell der Verkehrssicherheitsberater – gebeten wurde. Vier Mitarbeiter der Polizeiinspektion führten inzwischen an zwei Tagen Schulungen in Hirschberg durch.

Während den Kindern, die mit großer Begeisterung bei der Sache waren, das richtige Verhalten im Straßenverkehr mehr oder weniger spielerisch beigebracht wurde, saßen die Jugendlichen und Erwachsenen im Nebenraum und bekamen Erklärungen anhand von Lichtbildern, um sich mit den Regeln vertraut zu machen. Eine Dolmetscherin übersetzte für die ausländischen Mitbürger.

Auch die Kinder, die teils schon die deutsche Sprache sprechen und verstehen können, bekamen die Ausführungen von Katrin Lorenz entsprechend übersetzt. Dabei erlebten die ausländischen Bürger die Polizei als Helfer und Partner. "Hier ist die Polizei ganz anders", meinte Mohammed Al Hj Hassan, der Dolmetscher. "In Syrien nur schlagen, schlagen, schlagen. Und hier neigt sich der Polizist zu den Kindern herunter und führt sie sicher über die Straße."

Doch nicht nur das – die Kinder konnten sich auch über zahlreiche nützliche Geschenke freuen. Die Verkehrswacht Schleiz/Bad Lobenstein spendete reflektierende Schnappbänder, die man am Arm tragen kann. Die Deutsche Verkehrswacht stellte Lehrbücher für richtiges Verhalten im Straßenverkehr für Fahrradfahrer und Fußgänger zur Verfügung. Vier Helme kamen von der Verkehrswacht Wisenta/Obere Saale. ­Reflektoren und Speichenreflektoren stellte die Jugendverkehrsschule, die angeschrieben wurde, für den Fahrradkeller in Hirschberg bereit. Einige Plakate vom Polizeiverlag für die Fahrradwerkstatt kamen ebenfalls hinzu.

Denn hier im Fahrradkeller, der von der Hirschberger Flüchtlingsinitiative initiiert und umgesetzt wurde, hatte die Aktion für mehr Sicherheit im Straßenverkehr angefangen.

Im Fahrradkeller reparieren Ehrenamtliche zusammen mit den Migranten gespendete Fahrräder, erfolgen Sicherheitschecks und das Erlernen des richtigen Umganges mit Werkzeug. Der Fahrradkeller in Hirschberg in der Schulstraße hat immer freitags von 16 bis 18 Uhr geöffnet und steht für alle, egal ob Einheimische oder Migranten, egal ob Groß oder Klein, offen. Es ist auch ein Ort der Begegnung, wo man bei einem Tee verweilen und ins ­Gespräch kommen kann.