Gefell: Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr

Gefell  Bürgerinitiative will Forderungskatalog an drei Landräte der Region und weitere Politiker übergeben

Holztransporter  und andere  Lkw fahren durch  die Innenstadt  von Gefell. Die Bürgerinitiative will  den  Lkw-Verkehr  aus der Stadt bekommen.

Holztransporter  und andere  Lkw fahren durch  die Innenstadt  von Gefell. Die Bürgerinitiative will  den  Lkw-Verkehr  aus der Stadt bekommen.

Foto: Peter Cissek

Eigentlich hat die unter Schwerlastverkehr leidende Stadt Gefell bereits eine Ortsumgehung. Sechsspurig sogar. Als Autobahn. Doch diese wird nicht wie von den Anwohnern erhofft genutzt, weil viele Lkw-Mautpreller die Abkürzung von der A 72 nahe des oberfränkischen Töpen zur A 9 bei Gefell oder gar bis Schleiz fahren. Im Durchschnitt quälen sich 1321 Lkw am Tag durch die enge Ortsdurchfahrt von Gefell und sorgen für Lärm und Abgase. Über eine Kennzeichenerfassung wurde ermittelt, dass 529 Lkw dem Durchgangsverkehr zuzuordnen sind, ergab eine Verkehrsanalyse der Geovista GmbH aus Bayreuth im Jahr 2018 im Auftrag des Straßenverkehrsamtes Ostthüringen.

Doch die in den 90er Jahren geplante Umgehungsstraße um Gefell und Dobareuth sei laut Bundesverkehrswegeplan nicht vor 2030 vorgesehen. Dies wurde Norbert Briese und den anderen Mitstreitern der „Bürgerinitiative für eine sichere und lebenswerte Stadt Gefell“ bestätigt, als sie sich Anfang Februar mit dem Infrastruktur-Staatssekretär Klaus Sühl (Linke) trafen.

Briese forderte auf einer Bürgerversammlung am Montagabend im Feuerwehrgerätehaus alle Politiker der Region auf, an einem Strang zu ziehen, um diesem Vorhaben überhaupt eine Chance zu geben. Denn bei Uneinigkeiten vor Ort würden andere Kommunen bevorzugt, die ebenfalls um eine Ortsumgehung kämpfen.

Bis dahin kämpft die Bürgerinitiative darum, dass durch zahlreiche Einzelmaßnahmen das Leben für die Anwohner erträglicher wird. Ein Vorschlag ist die Mauterhebung für die Landesstraße 3002 von Gefell über Zollgrün bis zum Kreisverkehr in Schleiz-Heinrichsruh. Fahre ein Lkw bei Töpen nicht von der A 72 ab und anschließend auf der A 9 bis Schleiz, sei sein Weg mit gut 40 Kilometern etwa 16 Kilometer länger als auf der Abkürzungsstrecke. Auf dieser spare der Lkw keine Zeit, aber ein 18-Tonner mit vier und mehr Achsen 6,28 Euro Maut, rechnete BI-Mitbegründer Bernd Hessel vor. Müsste der Lkw-Fahrer auch auf der Landstraße zwischen Gefell und Schleiz Maut zahlen, würde er nur noch etwa drei Euro sparen.

Dank der Unterstützung vom Schleizer Landrat Thomas Fügmann (CDU) gibt es seit November 2018 im Stadtkern von Gefell ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. „Doch die Gefahren sind noch da, weil der Schwerlastverkehr nicht weniger, sondern mehr geworden ist“, sagte Hessel.

„Wir fordern die Landräte des Saale-Orla-Kreises, des Vogtlandkreises und des Landkreises Hof dazu auf, Gespräche zu beginnen“, sagt Norbert Briese. Den drei Landräten wollen sie wie auch Staatssekretär Sühl, den Landtagsabgeordneten Ralf Kalich (Linke) und Stefan Gruhner (CDU) sowie den Stadtratsmitgliedern einen Katalog mit den Forderungen der Bürgerinitiative schicken (Infobox). Darin verlangt sie unter anderem ein Durchfahrtsverbot oder mindestens ein Nachtfahrverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen durch Töpen, Juchhöh, Dobareuth, Gefell, Haidefeld und Zollgrün. „Diese Tonnagebegrenzung ist nicht utopisch, sondern wird bereits auf Bundesstraßen in Hessen praktiziert“, sagte Hessel.

Fritz Sell von der Verkehrsinitiative Höllenetz, der seit 1998 für den 5,5 Kilometer langen Lückenschluss der Höllentalbahn kämpft, freut sich, dass er von der Zellstoff- und Papierfabrik im Rosenthal-Ortsteil Blankenstein und der Thüringer Landesregierung Unterstützung erfährt. Seinen Angaben zufolge würden im tschechischen As jährlich rund 250.000 Tonnen Rundholz von der Bahn auf 10.000 Lkw umgeschlagen, die dann quer durch Bayern und Thüringen zur ZPR fahren. „Wenn uns der Lückenschluss bei der Höllentalbahn gelingt, kann das Rundholz aus Tschechien direkt per Bahn bis nach Blankenstein gefahren werden. „Das wären 40 Holzlaster pro Tag in Gefell weniger“, so Sell. Landtagsabgeordneter Ralf Kalich bot vor rund 90 Bürgern in Gefell auch weitere Unterstützung an. Die Bürgerinitiative von Gefell hofft, am 4. April vom Petitionsausschuss des Thüringer Landtags angehört zu werden. Denn möglicherweise würden die Unterschriften nicht gewertet, die mit der von 2436 Unterstützern gezeichneten Online-Petition für eine Umgehungsstraße übergeben wurden.

Frank Berka, Ortsteilbürgermeister aus Tanna-Zollgrün, verlangt ebenfalls eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 30 im Ort und Tempo 70 bereits ab Industriegebiet Kapelle.

Meine Meinung

Forderungen der Bürgerinitiative Gefell

Umgehungsstraße Dobareuth/Gefell zur B2/B90.

Nachtfahrverbot für Fahrzeuge über 7,5 Tonnen für Töpen, Juchhöh, Dobareuth, Gefell, Haidefeld und Zollgrün. In einem weiteren Punkt wird sogar ein Durchfahrverbot durch diese Orte gefordert.

Lkw-Mautpflicht für die Landesstraße 2003 von Gefell über Zollgrün bis zum Kreisverkehr in Schleiz-Heinrichsruh.

Die Maßnahmen zur Reduzierung des Schwerlastverkehrs dürfen nicht zum Ausweichen des Lkw-Verkehrs in Ortsteile wie Gebersreuth oder Göttengrün führen.

Am Ortseingang von Gefell aus Richtung Schleiz müssen Verkehrsinseln oder ähnliche bauliche Vorrichtungen den Verkehr zum Abbremsen zwingen. Die bereits erfolgte Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in der Ortslage sollte auch entlang des Schulweges zur Turnhalle in der Friedensstraße sowie wegen fehlender Gehwege stadteinwärts auf der Reuther Straße vorgenommen werden.

In Dobareuth und Gefell müssen an geeigneten Stellen Fußgängerüberwege sowie Geländer und Poller errichtet werden.

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