In den Sommerferien wird Erfurt zur Großbaustelle

Erfurt.  In den Sommerferien wird in Erfurt an gleich mehreren wichtigen Verkehrsknoten „operiert“ - mit massiven Folgen für Straßen- und Stadtbahnverkehr.

Ansicht Juri-Gagarin-Ring Kreuzung Bahnhofsstraße.

Ansicht Juri-Gagarin-Ring Kreuzung Bahnhofsstraße.

Foto: Marco Schmidt

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Wenn Thüringer Schüler dieses Jahr in die Sommerferien starten, wird nicht mehr viel fließen im Erfurter Verkehr: Straßenbahn und Autos werden dann wichtige Verkehrsknotenpunkte der Stadt nicht mehr passieren können, weil diese zu Baustellen werden und Vollsperrungen die Folge sind und auch für Fußgänger wird’s eng. Das gilt beispielsweise für die Kreuzung Juri-Gagarin-Ring/Bahnhofstraße. Eigentlich ist es hier nur die alte Augustbrücke, die unter der viel befahrenen Kreuzung verborgen liegt unter Asphalt und Schienen und Jahr für Jahr die Gefahr wachsen lässt, dass hier der Untergrund nachgibt und hier Straße und Schienen einbrechen. Doch diese Baustelle zieht gleich eine Handvoll weiterer folgenreicher nach sich.

Die Vollsperrung am Juri-Gagarin-Ring will die Evag nutzen, um im gleichen Atemzug die Schienen in der Bahnhofstraße zu erneuern, das Angerkreuz selbst zu erneuern und die Haltestellen am Anger behindertengerechter zu gestalten. Der Anger selbst wird zur Großbaustelle, weil weiträumig um die Haltestellen am Angerkreuz auch das Granitpflaster aufgenommen und neu verlegt werden muss. Da kann dann auch gleich noch das verschlissene Schienendreieck am Anger 1 ersetzt werden...

„Nun ist sie überfällig, wir können nicht auf eine Katastrophe warten“

Doch zurück zum Ausgangspunkt Augustbrücke: Einst spannte sich die bis 1898 am heutigen Verkehrsknoten über die Wilde Gera, später wurde sie samt Flussbett zugeschüttet, das Wasser in den Flutgraben umgeleitet. 58 Jahre später brach bereits ein Teil der Brücke ein, das Gewölbe gab nach unter den stetigen Lasten. Sie wurde repariert, verblieb aber an Ort und Stelle. Fünf Jahre ist es her, wie sich Evag-Betriebsleiter Michael Nitschke erinnert, da mussten hier schon einmal die Schienen repariert werden, weil sie unter Schwingungen und Setzungen des Untergrunds gelitten hatten. „Das hat nicht gereicht“, steht jetzt fest – die Brücke soll weg. Eine Operation, die lange gescheut wurde. „Nun ist sie überfällig, wir können nicht auf eine Katastrophe warten“, sagt Nitschke. Vielleicht halte die Konstruktion noch 50 Jahre, vielleicht aber auch nicht und mache dann den Ring vielleicht ausgerechnet im Buga-Jahr zur Baustelle – eine solche Peinlichkeit gelte es zu verhindern, findet Michael Nitschke.

Baustelle zwischen Bahnhofstraße und Gleisdreieck am Anger 1

Einfach die Hohlräume unter der Brücke zu verfüllen, wäre keine Lösung: Unter den Brückenbögen liegen alte gusseiserne Wasserrohre, die zu bersten drohten unter neuer Last. Austausch der Wasserrohre, Brücken-Rückbau, Verfüllung, eine neue Straßendecke für Stadtring gleich auf Länge der notwendigen Sperrung und neue Schienen für die Evag – so lautet das bunte Ferienprogramm.

Sechs Wochen, so die Planungen der Evag, wird der Verkehr auf dem Ring nicht rollen können. Zeit, die Gelegenheit lässt, gleich die Gleise in der Bahnhofstraße in Richtung Bahnhof zu erneuern. Aber auch jene zwischen Kreuzung und Angerkreuz. Und wenn der Straßenbahnverkehr hier schon einmal zum Erliegen kommt, bietet sich an, auch die Anger-Haltestellen auf heutigen Stand zu bringen. Sie sollen verlängert werden um jeweils etwa fünf Meter.

Außerdem müssen sie mit dem heute geforderten Blindenleitsystem ausgestattet werden. Zudem muss der Spalt zwischen Bahn und Bahnsteig auf unter fünf Zentimeter verringert werden, so schreiben es Gesetze zur Barrierefreiheit vor.

Ändert sich die aber Höhe des Bahnsteigs, muss auch das Pflaster in der Umgebung angehoben oder gesenkt werden, damit Regen weiterhin abfließen kann. Von 1000 Quadratmetern ist in ersten Plänen die Rede. Folge: Es wird eng auch für Fußgänger in diesem Bereich. Doch damit nicht genug: Verschlissen sind auch die Weichen am Gleisdreieck am Anger 1 am Abzweig zum Ringelberg. Auch sie sind rund 20 Jahre alt und am Ende, wie Michael Nitschke sagt.

Tiefbauamt hat ebenfalls diverse Baustellenpläne für die Sommerferien

Für die rund 60.000 Evag-Fahrgäste täglich sind die Ferien mit wechselnden Sperrungen und Ersatzverkehr eine echte Herausforderung - mehr noch aber für die Ingenieure der Evag, die jetzt die Detailplanungen startet, an die sich Fahrgast-Infos anschließen sollen. Zwar wird nicht alles auf einmal für sechs Wochen gesperrt, sondern wenn irgend möglich abschnittsweise gearbeitet, doch nach bisheriger Planung wird sich mindestens zehn Tage lang kein Straßenbahnrad mehr drehen zwischen Robert-Koch-Straße und Domplatz. Zwischen Anger und Domplatz könnte ein Pendelverkehr erfolgen, doch das ist noch nicht final entschieden.

Kommt bei der Evag schon eine Baustelle zur anderen, hat auch das Tiefbauamt für die Ferien einiges im Plan: Ein Ausbau des Knotenpunkts Gothaer Straße/Wartburgstraße an der Messe soll bei Vollsperrung beider Straßen in beiden Fahrtrichtungen erfolgen. Zum Ausbau der Südeinfahrt ist geplant die Arnstädter Straße zwischen Martin-Andersen-Nexö-Straße und Schützenplatz in beiden Richtungen zu sperren. Ebenfalls nichts gehen wird mehr in der Bonifaciusstraße zwischen Brühlerwallstraße und Benaryplatz. Für den ersten Bauabschnitt des Bastionskronenpfades wird zudem das Lauentor stadtauswärts gesperrt.

Noch ist diese Liste nicht endgültig: Sie könnte noch länger werden und das zu erwartende Verkehrs-Chaos noch vergrößern.

Der Erfurter Anger im Wandel der Zeit

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