Zu wenige Fahrgäste: 36 Thüringer Bahnhalte auf Prüfstand

Das Land entscheidet unter anderem über die Zukunft von 15 Stationen in Ostthüringen. Für einige Haltepunkte ist bereits das Aus besiegelt.

Die meisten der bedrohten Ostthüringer Haltepunkte liegen an Strecken der Elster-Saale-Bahn. Foto: Tino Zippel

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Erfurt. In Thüringen stehen 36 kleine Bahnhalte auf dem Prüfstand, weil zu wenige Fahrgäste ein- und aussteigen. Laut Landesnahverkehrsplan sind es bei 14 Zugangsstellen sogar weniger als zehn Fahrgäste pro Tag.

Alle Halte mit weniger als 20 Reisenden, die pro Tag ein- oder aussteigen, werden "einer kritischen Wertung hinsichtlich ihres Fortbestandes" unterzogen. "Wir müssen die Steuer­mittel sinnvoll einsetzen", sagt Fried Dahmen, Sprecher des Verkehrsministeriums, auf OTZ-Anfrage. Allerdings werde nicht von heute auf morgen über die Zukunft der Bahnhalte entschieden. In den Prozess der Prüfung sollen auch die betroffenen Kommunen einbezogen werden.

Aus Ostthüringen stehen 15 Stationen auf der Liste, darunter mehrere der schwach genutzten Strecke von Saalfeld nach Blankenstein, auf der pro Werktag weniger als 500 Fahrgäste einsteigen. Der Verbindung schreibt der Nahverkehrsplan aber eine hohe Bedeutung im Tourismus und im Güterverkehr zu. Das fließe mit in die Betrachtung ein, heißt es im Strategiepapier der Landesregierung.

Eine touristische Bedeutung machen die Planer auch für die Strecken an der Oberweißbacher Bergbahn aus, obwohl dort im Schnitt auch nicht die notwendige Zahl von mehr als 1000 Fahrgästen pro Werktag erreicht wird.

Für fünf Bahnstationen in Westthüringen ist das Aus bereits besiegelt. Die schwach nachgefragten Haltepunkte sollen wegfallen, um die Fahrzeiten der Expresslinien von Erfurt nach Nordhausen und von Erfurt nach Sangerhausen zu beschleunigen. Großfurra, Glückauf und Reinsdorf bei Arten sollen im Dezember 2015 von der Bahnlandkarte verschwinden, Hohenebra Ort und Niederspier ein Jahr später. Das Land wolle aber helfen, die betroffenen Orte noch besser an den Busverkehr anzuschließen.

Eine Zusammenlegung von zwei Strecken ist im Abschnitt von Gera-Süd bis Wolfsgefährt geplant. Die Bahnhalte Gera-Ost und Gera-Liebschwitz entfallen. Dafür werde der bestehende Verknüpfungspunkt Gera-Zwötzen deutlich aufgewertet und "bietet zugleich zusätzliches Entwicklungspotenzial". Den Plänen zufolge soll die Streckenzusammenlegung ab Dezember 2016 erfolgen.

Bedrohte Haltepunkte mit unter 20 Ein- und Aussteigern pro Tag:

  • Altenburger Land: Ponitz
  • Ilmkreis: Singen
  • Kyffhäuserkreis: Großfurra, Niederspier, Reinsdorf (Artern), Wasserthaleben
  • Landkreis Gotha: Bufleben, Ballstädt, Hörselgau
  • Landkreis Greiz: Wolfsgefärth, Schüptitz, Loitsch-Hohenleuben, Hohenleuben
  • Saale-Holzland-Kreis: Bahnhof Papiermühle
  • Saale-Orla-Kreis: Neunhofen, Unterlemnitz, Harra-Nord, Lichtentanne, Krölpa-Ranis
  • Saalfeld-Rudolstadt: Paulinzella, Unterloquitz, Breternitz, Hockeroda
  • Landkreis Sömmerda: Walschleben
  • Weimarer Land: Legefeld, Auerstedt, Haltepunkt Eckartsberga
  • Südthüringen: Sonneberg West, Mengersgereuth-Hämmern Ost, Suhl-Heinrichs, Schalkau, Seltendorf, Bachfeld, Bibra, Wölfershausen, Ritschenhausen

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