Nach Protzautos und hohen Gehältern: Awo-Spitze will mehr Transparenz

Erfurt.  Nach der Veröffentlichung über Protzautos und mutmaßlich zu hohe Gehälter bei der Awo-Tochter AJS bezieht die Spitze nun Stellung - durchaus ambivalent.

Bei der Awo in Thüringen gibt es Vorwürfe gegen die Spitze der Tochterfirma AJS, die nach einem Bericht dieser Zeitung öffentlich wurden.

Bei der Awo in Thüringen gibt es Vorwürfe gegen die Spitze der Tochterfirma AJS, die nach einem Bericht dieser Zeitung öffentlich wurden.

Foto: Holger Hollemann/dpa (Symbolfoto)

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Die Spitze der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Thüringen will nach den am vergangenen Freitag bekannt gewordenen Vorwürfen gegen ihre Tochterfirma AJS die Aufarbeitung unterstützen. Das hat der Landesgeschäftsführer Ulf Grießmann in einer internen Mail an „Liebe Awo-Freundinnen und Awo-Freunde“ zugesagt.

Mitarbeiter hatten schwere Vorwürfe erhoben

In einer Berichterstattung dieser Zeitung hatten Mitarbeiter schwere Vorwürfe gegen die Spitze der AJS GmbH erhoben. Dabei ging es neben Personalangelegenheiten um einen gefeuerten Prokuristen auch um möglicherweise überzogene Gehälter und teure Dienstwagen für den AJS-Chef Michael Hack. Außerdem gab es Kritik an dem Besetzungsverfahren zur Nachfolge von Hack.

In seiner Mail nimmt Grießmann auf diese Vorwürfe nicht direkt Bezug. Er schreibt lediglich, dass mit der Öffentlichmachung derselben die Arbeit der Awo sowie ihrer hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter „beschädigt und damit diskreditiert“ würde. Gleichzeitig erklärt er die Awo-Spitze für nicht zuständig bei der Aufarbeitung. „Ich kann im Moment die Vorwürfe im Einzelnen nicht kommentieren oder bearbeiten“, heißt es in dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt. Das obliege den zuständigen AJS-Gremien.

Schon 2017 mehr Transparenz zugesagt

Was die Awo aber offenbar forcieren will: Es soll mehr Transparenz geben. Grießmann verweist dazu auf eine im Januar 2019 angekündigte Gründung einer Arbeitsgruppe „Transparenz und Compliance“, die offenbar bis zum heutigen Tag ihre Arbeit nicht aufgenommen hat. Awo-Sprecher Dirk Gersdorf erklärt hingegen, dass die Arbeitsgruppe nicht schon im Januar 2019 sondern erst im Dezember 2019 für den Januar 2020 angekündigt worden sei. In der internen Mail das ein Schreibfehler, der nun den Eindruck erwecke, dass seit einem Jahr nichts geschehen sei.

Allerdings wird bei der Awo nicht zum ersten Mal der Ruf nach mehr Transparenz laut. Schon 2017 hatte wiederum AJS-Chef Hack mehr Transparenz zugesagt. Laut Grießmann ist es jetzt an der Zeit zu „beweisen, dass es uns ernst ist mit den Werten, welche wir tagtäglich in unseren Einrichtungen und Diensten leben“.

Offiziell klingt das bei der Awo allerdings etwas zurückhaltender. In einer auf der Internetseite des Landesverbandes veröffentlichten Stellungnahme der AJS GmbH heißt es indes: „Den Bericht halten wir in vielen Punkten für stark überzogen.“ Während Grießmann intern konsequent zur Transparenz mahnt, wird auf der Homepage lediglich erklärt, dass die „Führungs- und Kommunikationskultur innerhalb der Awo AJS GmbH erneut zu überprüfen und zu bewerten“ sei.

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