Debatte über Jagdgesetz, Wölfe und Schweinepest in Niederorschel

Niederorschel  143 Jäger aus ganz Thüringen reisen zum Landesjägertag in Niederorschel an. Staatssekretär Klaus Sühl ebenfalls.

Beim Landesjägertag in Niederorschel spielte der Bläserkorps der Worbiser Jägerschaft mit Unterstützung der Duderstädter Gäste.

Beim Landesjägertag in Niederorschel spielte der Bläserkorps der Worbiser Jägerschaft mit Unterstützung der Duderstädter Gäste.

Foto: Antonia Pfaff

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Bäume, Gestecke, Fuchs und Wildkatze zierten den Saal. Auch die verschiedenen Geweihe an den Wänden deuteten auf den Anlass hin: der Landesjägertag. Aus ganz Thüringen waren 166 Jäger delegiert und 143 in der Lindenhalle in Niederorschel anwesend.

Während es im ersten Teil des Landesjägertages um Rechenschaftsberichte des vergangenen Jahres ging, standen am Nachmittag das neue Jagdgesetz, die Afrikanische Schweinepest und die Wölfe in Thüringen zur Diskussion. Gleich zu Beginn seiner Rede kritisierte Steffen Liebig, Präsident des Thüringer Landesjagdverbandes, den Entwurf des Thüringer Jagdgesetztes. „Wir haben den Gesetzentwurf in der vorliegenden Fassung abgelehnt, weil keiner der im anderthalbjährigen Diskussionsprozess ausgehandelten Konsensvorschläge mehr enthalten waren“, begründete Liebig die Entscheidung. Zudem würden zum Teil einige neue Regelungen dem Grundgesetz widersprechen. Zu dem gleichen Ergebnis seien auch der Bauernverband, der Waldbesitzerverband, der Verband der Jagdgenossen und Eigenjagdbesitzer gekommen. Und gemeinsam hätten sie eine schriftliche Positionierung erarbeitet und auf die Problemfelder hingewiesen, so Liebig. Klaus Sühl (Linke), Staatssekretär für Infrastruktur und Landwirtschaft, lobte dieses Schreiben.

In wenigen Sätzen ging er auf die Prozedur für den überarbeiteten Gesetzentwurf ein. Und Sühl meinte, dass er sich sicher sei, dass noch in diesem Jahr ein besseres Jagdgesetz verabschiedet werden könne. Differenzen werde es aber bei der Streichung des Schalldämpferverbotes, der Fangjagd und dem Töten von wildernden Katzen und Hunden geben. „Diese Themen werden wahrscheinlich auf Regierungsebene nicht zugunsten der Grundeigentümer und Landnutzer entschieden werden“, meinte der Staatssekretär.

Das waren auch für Steffen Liebig wichtige Schlagworte. Aus Natur- und Tierschutzgründen sei man offenbar doch dafür, verwilderte Hunde aus der Wildbahn zu entnehmen, allerdings nur, wenn es um den Wolf gehe. „Die andere Tierwelt wird dabei völlig ausgeblendet.“ Und diese Position müsste überdacht werden. Es sei in Ordnung, dass es ein Verbot der Entnahme von verwilderten Katzen innerhalb 200 Metern von bewohnten Gebieten aus Sicherheitsgründen gebe. „Dass aber nunmehr eine solche Katze ab 500 Metern als verwildert eingestuft wird, ist nicht nachvollziehbar“, machte Liebig deutlich. Der Präsident forderte auch, dass es die Möglichkeit für jeden Jagdausübungsberechtigten geben soll, „einen Schalldämpfer genehmigt zu bekommen“. Dafür erhielt er von den Anwesenden Applaus. Ein weiteres Thema war die Afrikanische Schweinepest. Diese habe sich in der Ukraine, in Weißrussland und im östlichen Baltikum langsam entwickelt und nähere sich in westliche Richtung. Aktuell sei sie in Ungarn, meinte Liebig. Staatssekretär Sühl versicherte, dass bereits seit dem ersten Auftreten im Jahre 2012 Vorbereitungen laufen würden. Denn, da waren sich beide Männer sicher, es sei nur eine Frage der Zeit, wann die Seuche das hiesige Territorium erreiche.

Kurz sprach Steffen Liebig die Situation der Wölfe an. „Deutschland mit der dichtesten Bevölkerungsdichte hat 800 Wölfe und diese in nur wenigen Bundesländern, aber ohne Regulierung, sozusagen nach oben offen.“ Er verglich die hiesige Zahl unter anderem mit Schweden (300 Wölfe), Finnland (200) und Slowakei (250). Allerdings, machte der Präsident deutlich, werde in diesen Ländern regulierend eingegriffen. Sühl meinte, dass klar sei, dass die Regulierung des Wolfes bei der Öffentlichkeit auf Interesse stößt. „Der Wolf wird sich in Mitteleuropa nicht selbst regulieren, und das heißt, dass der Wolf auch in Deutschland reguliert werden muss“, so Sühl. Honoriert wurde diese Aussage mit tosendem Applaus durch die Jäger. Und er gehe davon aus, dass die Jägerschaft auch hier unterstützend tätig sein wird. Der Weg sei bis dahin aber noch sehr weit.

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