Züchter meldet Wolfsangriff auf Hirsch im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Volkmannsdorf/Jena  Wolf, Luchs oder doch nur ein Hund? Diese Frage beschäftigt gerade den Wildtier-Züchter Nico Werner aus Volkmannsdorf , die Behörden und den Thüringer Rissgutachter.

Züchter Niko Werner zeigt die Stelle des Gatters, wo der Eindringling den Drahtzaun nach oben drückte.

Züchter Niko Werner zeigt die Stelle des Gatters, wo der Eindringling den Drahtzaun nach oben drückte.

Foto: Jens Voigt

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Gegen 6.30 Uhr am Dienstag hatte Werner seinen Wapitihirsch „Manfred“ halb tot im Gatter entdeckt. Das zehn Jahre alte und rund 500 Kilogramm schwere Tier hatte offenbar in höchster Panik vor einem Angreifer zu fliehen versucht, sich gegen den Schutzzaun geworfen, ihn teilweise zerrissen und sich darin mit den Resten seines Geweihes verfangen, so dass der Züchter das schwer verletzte Tier töten musste.

Werner ist überzeugt, dass ein Wolf den Hirsch attackiert hat. Zum Beleg verweist er auf Teile des noch frisch durchbluteten Geweihes, die sich entlang des Gatterzaunes fanden und die nach seiner Ansicht aus Biss-Angriffen eines Wolfs resultieren. Vor einem Hund wäre der Hirsch, der mit zwei Wapiti-Kühen weidete, niemals geflohen, betont der 37-Jährige. Werner will zudem erst am Vortag einen Wolf nahe des Gatters gesehen haben und verfügt über Bilder einer Wildkamera, die einen Wolf im vorigen Oktober bei Volkmannsdorf abgelichtet hat.

Uwe Müller, Rissgutachter von der Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), hat am gestrigen Nachmittag den Ort des Geschehens besichtigt und Proben des Kadavers zur weiteren Untersuchung entnommen. Er hält anhand der vorgefundenen Spuren und der bisherigen Wolfsattacken auf Weidetiere einen Hund als Angreifer für wahrscheinlicher. Allerdings werde ein DNA-Nachweis in diesem Fall schwer zu führen sein, da seit dem Ver­enden deutlich mehr als die empfohlene 24-Stunden-Meldefrist verstrichen und der Kadaver bereits in Verwesung übergegangen war.

Züchter Werner will nun durch einen Anwalt eine Klage gegen die Naturschutzbehörde im Landratsamt prüfen lassen. Er ist der Auffassung, die Behörde hätte nach seiner Meldung des Falles sofort die TLUG informieren und den Rissgutachter anfordern müssen, was nicht geschehen sei. Das Landratsamt weist diesen Vorwurf zurück. Jeder betroffene Tierhalter könne sich selbst unmittelbar an den Rissgutachter wenden. Laut Werner würden Jäger in Nordamerika, wo Wapiti eigentlich zuhause sind, bis zu umgerechnet 20 000 Euro für das Erlegen eines ausgewachsenen Geweihträgers zahlen.

Für den Züchter wiegen die Folgen des Hirschtods aber in anderer Weise schwer: Ihm bleiben jetzt nur noch sechs weibliche Tiere. Kurzfristig Ersatz für die Zucht zu beschaffen, sei fast unmöglich, da es in Deutschland nur noch einen weiteren Wapiti-Züchter gibt und die Großhirsche inzwischen auch aus den meisten Zoos verschwunden sind.

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