Berlin. Erstmals liegen Ost und West beim Rentenniveau gleichauf. Zudem steigt die Rente deutlich an. Doch es gibt einen Haken: die Inflation.

Das Bundeskabinett hat am Mittwoch eine deutliche Erhöhung der Renten beschlossen. Die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland können sich also freuen: Ab Sommer erhalten sie mehr Geld. Lesen Sie auch: Mehr Geld: Warum die Rentenchefin eine Erhöhung verspricht

Das war aufgrund der steigenden Löhne erwartet worden. Außerdem gilt die Rentenkasse als stabil.

Rentenwert: In Ost und West gleich

Allerdings fällt der Anstieg höher aus als von der Rentenversicherung in Aussicht gestellt wurde. Wie das Bundesarbeitsministerium am Montag mitteilte, steigt die Rente zum 1. Juli in Westdeutschland um 4,39 Prozent.

Im Osten steigen die Renten sogar um 5,86 Prozent. Damit gelte in West und Ost dann ein gleich hoher aktueller Rentenwert.

Grundlage der nun angekündigten Rentenerhöhung sind die jetzt vorliegenden Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Rente: Minister Heil verweist auf guten Arbeitsmarkt

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD), sagte, "diese Erhöhungen sind möglich, weil der Arbeitsmarkt in guter Verfassung ist und die Löhne steigen." Das Sicherungsniveau bleibe somit stabil bei über 48 Prozent. "Ich will die gesetzliche Rente langfristig stabilisieren, damit die Menschen sich auch in Zukunft auf eine gute Altersvorsorge verlassen können", betonte Heil. Die gesetzliche Rente müsse verlässlich bleiben.

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, verkündete die Erhöhung der Renten auf seiner Kanada-Reise.
Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales, verkündete die Erhöhung der Renten auf seiner Kanada-Reise. © dpa | Britta Pedersen

"Ich freue mich besonders, dass die Rentenangleichung Ost aufgrund der positiven Entwicklung ein Jahr früher erreicht wird", sagte Heil. Weil die Löhne im Osten zuletzt noch schneller zugelegt hatten als im Westen, werde die Rentenangleichung ein Jahr schneller vollzogen als gesetzlich vorgesehen.

Die Angleichung bedeutet in der Praxis, dass in den alten und in den neuen Bundesländern jetzt ein Rentenwert von 37,60 Euro gilt. Das ist der Betrag, den die Rentenversicherung für einen Rentenpunkt zahlt. Einen Rentenpunkt erhalten Arbeitnehmer gutgeschrieben, wenn sie in einem Jahr genau so viel verdienen wie der Durchschnitt der Beschäftigten. Die Höhe der Altersrente schließlich ist abhängig von der Anzahl der Rentenpunkte, die ein Beschäftigter im Laufe seines Berufslebens sammelt. Zum 1. Juli des vergangenen Jahres waren die Renten in Westdeutschland um 5,35 Prozent und in Ostdeutschland um 6,12 Prozent gestiegen.

Rentnerinnen und Rentner von der Inflation arg gebeutelt

Vor allem Beziehern kleiner Renten macht jedoch die hohe Inflation zu schaffen. Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einer leicht gebremsten, aber immer noch hohen Inflationsrate von sechs Prozent. Im Februar waren die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat aber immer noch um 8,7 Prozent gestiegen. "Die Rentenanpassung bleibt aktuell hinter der Inflation zurück, aber das ist nur eine Momentaufnahme", hieß es in einer Mitteilung des Bundesarbeitsministeriums.

In den vergangenen zehn Jahren sei der Rentenwert im Westen um insgesamt 26 Prozent gestiegen, im Osten sogar um 40 Prozent. Die Preise hingegen seien im gleichen Zeitraum nur um 20 Prozent gestiegen. "Bei 1.000 Euro Rente lag die Rentenanpassung somit brutto um 63 Euro im Westen und um 198 Euro im Osten über der Inflation in diesem Zeitraum", so das Ministerium.

"Aktuell abgeschlossene Tarifverträge sehen durchaus beachtliche Lohnerhöhungen vor", hieß es in der Mitteilung weiter. Diese würden sich dann in der Rentenanpassung zum 1. Juli 2024 abbilden. Die für die aktuelle Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt 4,50 Prozent in den alten Ländern und 6,78 Prozent in den neuen Ländern.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Präsidentin der Deutschen Rentenversicherung, Gundula Roßbach, hatte bereits zuvor auf die sehr gute Kassenlage aufmerksam gemacht. Sie sprach von einem Überschuss von 3,4 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. "Die bisherigen Tarifabschlüsse lassen zudem erahnen, dass die Senioren auch in den kommenden Jahren auf einen Rentenaufschlag hoffen können", sagte Roßbach. Die Rentensteigerungen richten sich nach der Lohnentwicklung im Land.

Mehr Rente in Deutschland: Sozialexpertin spricht von "wichtigem Signal" und warnt vor Aktienrente

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier, begrüßt die Rentenerhöhung. "Gerade in diesen krisenhaften Zeiten zeigt sich die Robustheit der gesetzlichen Rente", sagte sie mit unserer Redaktion. Für 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner würden so die negativen Folgen der Inflation abgemildert. „Darüber hinaus begrüße ich die Angleichung der Renten in Ost und West, die nun ein Jahr früher kommt als erwartet.“

Zur Forderung einer Kapitaldeckung bei der Rente ergänzt Engelmeier: "Gerade jetzt ist die Erhöhung ein wichtiges Signal für eine starke gesetzliche Rente, wo auf den Finanzmärkten die Sorge über eine mögliche Finanzkrise 2.0 wächst, ausgelöst durch die taumelnden Banken im Silicon Valley und die Credit Suisse." Der Sozialverband Deutschland bleibe dabei:"„An den Aktienmärkten ist keine verlässliche Rentenpolitik möglich!" (mit dpa)