Gößnitz. Die Gößnitzer Fleischerei Winkler ist seit 1947 in Familienhand. Um die Ware an die Kundschaft zu bringen, schlägt sie neue Wege ein.

  • Was die Winklers zu einem harten Schnitt in Schmölln veranlasste.
  • Wie Spezialitäten-Fans jetzt ihre Lieblingsprodukte aus dem Hause Winkler ordern können.
  • Was sich Winklers von dem neu eingeschlagenen Weg erhoffen.

Per Bestell-App die Spezialitäten der Gößnitzer Fleischerei Winkler ordern - seit Dezember 2023 ist das möglich. Anlass dafür ist Personalmangel hinter der Ladentheke, aber nicht nur.

Schmöllner Filiale am Markteingang seit Dezember dicht

Seit Anfang Dezember gibt es die Spezialitäten der Fleischerei Winkler im Schmöllner Geschäft gleich am Markteingang nicht mehr frisch aus der Ladentheke, sondern per Bestell-App. Anlass dafür ist Personalmangel. Die Schmöllner Filiale dichtzumachen, fiel Annett und Maik Winkler nicht leicht. Weil das Konzept in Schmölln seit Dezember 2006 aufging, das Geschäft mit Fleisch- und Wurstkreationen nach eigener Rezeptur, ergänzt mit kulinarischen Offerten aus Italien und Südtirol - auch gerne als Geschenke liebevoll zusammengestellt und verpackt - brummte.

Personalmangel nicht mehr zumutbar - weder für Mitarbeiter noch für Kunden

Doch der Personalmangel hinter der Ladentheke in der Schmöllner Filiale war zu gravierend. „Gerade im Dezember hätten wir nicht sichern können, alle Aufträge sicher und pünktlich abzuarbeiten. Unseren Beschäftigten und unseren Schmöllner Kunden wollten wir das nicht zumuten“, erklärt Annett Winkler. Daher der harte Schnitt mit der Schließung.

Unsere Ware auch am Handy bestellen - das ist zeitgemäß und fortschrittlich, auch für unsere Branche.“
Fleischermeister Maik Winkler

Die Einführung der Bestell-App sehen sie und ihr Mann Maik als gute Alternative, Waren einfach und schnell zu bestellen. Ein Konzept, mit dem sich die Winklers seit geraumer Zeit beschäftigten. Denn: An den Start gehen wollte der Familienbetrieb in dritter Generation damit sowieso. „Unsere Ware am Handy bestellen, das ist doch fortschrittlich und zeitgemäß. Auch für unsere Branche“, ergänzt Maik Winkler. „Außerdem sollte man die ältere Generation nicht unterschätzen. Die ist genauso fit mit Handy und Computer wie die Jungen“, fügt er hinzu.

Ohne klassisches Handwerk geht es nicht: Maik Winkler bestückt hier die Räucherkammer mit frisch produzierter Ware.
Ohne klassisches Handwerk geht es nicht: Maik Winkler bestückt hier die Räucherkammer mit frisch produzierter Ware. © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Die Handhabbarkeit der Bestell-App hat Maik Winkler außerdem testen lassen: von seinem 73-jährigen Schwiegervater. Der Probelauf klappte einwandfrei, jetzt ist die Bestell-App freigeschaltet und funktioniert. „Freilich, perfekt ist sie noch nicht.“ Zumal in Schmölln parallel noch ein Lieferservice der Winklers läuft. Bleiben trotzdem Fragen offen, gibt es ja immer noch das Telefon oder die E-Mail. „Wir rufen dann auch gerne zurück“, so Winkler.

Aktuelle Nachrichten aus dem Altenburger Land

Noch nicht alle Produkte, die man sonst in der Schmöllner Filiale in der Ladentheke und im Verkaufsraum begutachten und auswählen konnte, sind schon mit Foto und Produktbeschreibung in dem virtuellen Geschäft gelandet. Das liegt daran, dass all das Fleischermeister Maik Winkler selbst macht. „Manchmal sitze ich bis nachts, um die Sachen einzupflegen“, berichtet er. Aktuell widmet er sich dabei dem Geschäftsbereich Partyservice.

Bestell-App wird schon recht fleißig genutzt

Bestellt wird schon recht fleißig über die App, bereits 35 Kunden haben sich fest registrieren lassen. Die Handhabung ist denkbar einfach und genau erklärt. Der Kunde wird durch den gesamten Bestellprozess geleitet. Ist der abgeschlossen, spuckt ein Drucker gleich an der Kasse im Gößnitzer Fleischerei-Geschäft die Bestellung aus, die daraufhin zusammengestellt und für die Abholung bereit gemacht wird. Aktuell liegt der Familienbetrieb bei einer Vorlaufzeit von vier Stunden zwischen Eingang der Bestellung und wann diese bereit ist zum Abholen.

Maik und Annett Winkler mit dem Plakat, mit dem sie für die Bestell-App ihrer Fleischerei in die Offensive gehen wollen.
Maik und Annett Winkler mit dem Plakat, mit dem sie für die Bestell-App ihrer Fleischerei in die Offensive gehen wollen. © Funke Medien Thüringen | Jana Borath

Bis zum Start der Grillsaison soll die App weiter mit Fotos, Produktbeschreibungen und aktuellen Informationen gefüttert werden. Plakate, um für diese Art des Einkaufs in der Fleischerei Winkler zu werben, sind bereits gedruckt. „Wir wollen das um Ostern herum nochmal richtig bekannt machen“, sagt Maik Winkler.

Bestell-App als Erleichterung der täglichen Arbeitsorganisation

Dass Online-Handel dieser Art den klassischen Einkauf im Familienbetrieb ablöst, glauben die Winklers indes nicht. „Dafür kommen unsere Kunden viel zu gern in unsere Filialen in Gößnitz und Ehrenhain und lassen sich beraten“, schätzt Maik Winkler. Allerdings kann eine solche Bestell-App ihm und seinem 14-köpfigen Team die tägliche Arbeit und deren Organisation erheblich erleichtern. Eben, wenn wie in Schmölln aufgrund von Personalmangel das Verkaufskonzept drastisch geändert werden muss. Oder wenn, wie in Ehrenhain, eine Großbaustelle auf der Bundesstraße direkt vor dem Laden für Beschwerlichkeiten sorgt. Wegen Vollsperrung bleibt dort seit geraumer Zeit der Durchgangsverkehr auch in der Winkler-Filiale aus.

Durch die Bestell-App wird für das Team in Gößnitz alles viel planbarer. „Wir wissen, wie viel Ware wir brauchen, denn auf Vorrat produziert hier keiner mehr“, erläutert Winkler. Zum Tragen kommt dabei die Möglichkeit, dass die Produkte schockgefrostet werden können. In die nötige Technik investierte die Fleischerei vor rund zwei Jahren.