Verwirrten Sinnes stechen die Mücken nicht

Jenaer Forscher fanden heraus, warum Mückenschutz wirkt.

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie machen international beachtete Forschung. Über ein aktuelles Projekt berichten sie in dem renommierten FachjournaL "nature". Foto: Peter Michaelis

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für chemische Ökologie machen international beachtete Forschung. Über ein aktuelles Projekt berichten sie in dem renommierten FachjournaL "nature". Foto: Peter Michaelis

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Jena/New York. Es bringt sie nicht um, es schlägt sie nicht in die Flucht, aber es verwirrt ihre Orientierung: Forscher des Jenaer Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Rockefeller Universität in New York haben nun herausgefunden, wie handelsübliche Insektenabwehrmittel funktionieren, die auf dem seit 1946 verwendeten Wirkstoff DEET (N,N-Diethyl-Toluamid) basieren. Demnach verstärkt oder schwächt das Mittel den Eindruck attraktiver Gerüche im Nervensystem der Insekten, und ihre "mentale Duftkodierung" gerät aus dem Lot, schreiben die Wissenschaftler in einem Beitrag für das britische Fachmagazin "Nature".

Keine Mücke sticht mehr - immerhin hat es mehr als 60 Jahre gedauert, um die Ursachen dafür nachzuweisen. Allerdings hilft DEET nicht nur gegen diese Plagegeister, sondern gegen die meisten Insekten, deren Reizleiter ähnlich organisiert sind. Für die Jenaer Experimente etwa waren Fruchtfliegen im Einsatz, die teils im eigenen Labor herangezüchtet, teils aus 18 verschiedenen Weltregionen eingeflogen wurden, um ihnen präzise auf die Antennen zu schauen.

Denn darin verborgen liegen Riechhärchen mit jeweils mindestens zwei spezifischen Geruchsrezeptoren. Insgesamt probierten die Wissenschaftler zehn verschiedene Duftstoffe an ihren Fliegen aus, zum Beispiel Linalool, einen blumig riechenden Alkohol, der in ätherischen Gewürzen und in Weinaromen vorkommt.

"Brasilianer" waren unsensibel

Bei ihren "Lockversuchen" stellten die Forscher fest, dass DEET allein wenig ausrichtet, sondern erst in Verbindung mit einem solchen Duftstoff seine Wirkung entfaltet: Konkret wurde dann der Nerv mit dem Rezeptor Or59b stimuliert, jedoch der mit dem Rezeptor Or85a gedämpft. Das heißt, dass die Insekten zwar den Duftstoff noch wahrnehmen können, aber ihre Orientierung nicht mehr gewährleistet ist. Eine Mücke etwa kann ihr potenzielles Opfer "riechen" - und findet es nicht.

Intensiver hat sich das deutsch-amerikanische Forscherteam aus Neurowissenschaftlern, Molekularbiologen und Biochemikern daraufhin mit dem Rezeptor Or59b befasst und dessen Reaktion bei den auswärtigen Fruchtfliegen getestet. Im Ergebnis verhielten sich all diese Tierchen ähnlich, nur ein Fliegenstamm aus Brasilien ließ sich durch DEET partout nicht beeindrucken.

Folglich hat das Forscherteam diese Fliegen auch noch genetisch untersucht und festgestellt, dass das für den Geruchsrezeptor Or59b verantwortliche Gen bei den Fruchtfliegen aus dem Labor deutlich von dem der "Brasilien-Fraktion" abweicht. - Theoretisch hätte die gemeine Stechmücke also durchaus eine Chance, uns trotz verwirrender Insektenabwehrmittel am spätsommerlichen Lagerfeuer zielsicher anzusteuern, sofern sie zu neuartigen Mutanten gehörte, bei denen die Geruchsrezeptoren gegen DEET unsensibel wären. Aber, soweit bekannt, gibt es die hierzulande (noch) nicht.

www.ice.mpg.de

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