5,1 Promille - Warum vertragen manche Menschen so viel Alkohol?

Weimar  Unglaubliche 5,1 Promille hatte ein 41-Jähriger intus , den die Weimarer Polizei am Dienstag auf einer Parkbank schlafend vorfand. Frage an den Experten: Wie kann es sein, dass der menschliche Körper mit solchen Alkoholmengen im Blut nicht streikt?

Große Mengen Alkohol sind schädlich für Körper und Geist. Die Folgen reichen von Schlafstörungen und schlechter Konzentration über Veränderungen der Haut bis zu Schädigungen von Leber, Magen und Nervensystem. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa

Große Mengen Alkohol sind schädlich für Körper und Geist. Die Folgen reichen von Schlafstörungen und schlechter Konzentration über Veränderungen der Haut bis zu Schädigungen von Leber, Magen und Nervensystem. Archivfoto: Patrick Pleul/dpa

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Anfang August: „ 30-Jähriger mit 3 Promille in Unfall in Erfurt verwickelt“. Mitte August: „Mann ohne Führerschein baut Unfall mit mehr als 4 Promille bei Gehren“. Ende August: „ Mann mit 5,1 Promille in Weimar aufgegriffen“. Das ist nur eine kleine Auswahl an TLZ-Schlagzeilen der letzten Zeit, in denen eine sehr hohe Promillezahl eine Rolle gespielt hat.

„Es handelt sich hier um eine Abhängigkeitserkrankung. Durch ständigen Konsum verträgt man den Alkohol immer besser“, sagt Dr. Richard Serf­ling, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Weimar. Der Unterschied zu Menschen, die nur ein bis zwei Gläser Wein am Tag trinken, bestehe darin, dass diese nicht an solche Mengen Alkohol gewöhnt sind, wie sie etwa der Mann getrunken hat, den die Polizei Anfang der Woche schlafend auf einer Parkbank in Weimar vorfand. Ein Alcomat-Test vor Ort ergab einen Wert von 5,1 Promille. „Würden Sie oder ich eine solche Menge auf einmal zu sich nehmen, dann würden Sie sterben“, sagt Serfling. Schließlich handele es sich beim Alkohol um ein Gift.

Ein Glas pro Tag ist unbedenklich

Dennoch gelte wie bei anderen Genussmitteln auch: Die Dosis macht‘s. „Ein Glas pro Tag ist gesundheitlich unbedenklich“, sagt der Mediziner. Dabei sei es egal, ob es sich um ein großes Glas Weißbier, ein Gläschen Wein oder ein kleines Glas Schnaps handele.

Große Mengen Alkohol seien hingegen schädlich für Körper und Geist. Die Folgen reichten von Schlafstörungen und schlechter Konzentration über Veränderungen der Haut bis zu Schädigungen von Leber, Magen und Nervensystem.

Erfolgsquote für dauerhafte Abstinenz liegt unter 50 Prozent

Wenn ein Mensch mit Alkoholvergiftung im Klinikum eingeliefert wird, kommt er zuerst in die Notaufnahme, dann auf die Intensivstation zum Ausnüchtern. Danach kommt ein ärztliches Konzil zusammen, und der Patient wird gefragt, ob er bereit ist, sich in die Psychiatrie für eine Entziehung zu begeben. „Die Mehrheit stimmt diesem Schritt zu“, sagt Serfling. Dieser erste Therapieschritt dauere drei Wochen und sei medikamentengestützt. Ohne ihn würden die Betroffenen nicht vom Alkohol loskommen. Die Erfolgsquote für eine dauerhafte Abstinenz liege jedoch unter 50 Prozent.

Viele Suchtpatienten des Weimarer Klinikums werden auch durch den Hausarzt eingewiesen. Neben der Therapie des Alkoholentzugs stehen von Anfang an die durch den langen Missbrauch entstandenen sozialen Schwierigkeiten in der Aufmerksamkeit von Sozialarbietern. Schon während der stationären Betreuung werden Kontakte zu Suchtberatungsstellen und Reha-Kliniken hergestellt.

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