Weltneuheit aus Thüringen: Roboter hilft Schlaganfall-Patienten

Erfurt/Ilmenau  Weltneuheit aus Thüringen: Sprechender Reha-Roboter hilft Schlaganfall-Patienten wieder auf die Beine

Tim Wengefeld (li.) und Thanh Q. Trinh von der TU Ilmenau haben den Prototypen mitentwickelt. Foto: Peter Michaelis

Tim Wengefeld (li.) und Thanh Q. Trinh von der TU Ilmenau haben den Prototypen mitentwickelt. Foto: Peter Michaelis

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Klaus Debes blickt in weiße Kulleraugen. Sie gehören „Roreas“, einem 1,50 Meter großen orangefarbenen Roboter. „Bitte gehen Sie in die gewünschte Richtung“, sagt die Maschine. „Ich folge Ihnen.“ Debes ist eigentlich wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Ilmenau. An diesem Vormittag spielt er jedoch einen Patienten, der wieder lernen muss, längere Strecken zu gehen. Er trägt Jogginghose und stützt sich auf einen Krückstock. Langsam gehen Mensch und Maschine einen langen Gang entlang. Als sie es geschafft haben, sagt „Roreas“: „Schön, dass Sie mit mir trainiert haben. Bis zum nächsten Mal.“

Der gerade bei der Krankenkasse Barmer vorgestellte Assistenz-Roboter aus Thüringen soll Patienten nach einen Schlaganfall wieder das Laufen beibringen. Nach drei Jahren Forschung wurde der Prototyp ein Jahr lang in der Fachklinik Bad Liebenstein getestet. „Roreas“ helfe auch, sich besser zu orientieren und so schnell wie möglich wieder eigenständig zu leben, sagt Andreas Bley, Geschäftsführer der Metralabs GmbH aus Ilmenau, wo der Roboter gemeinsam mit der Technischen Universität entwickelt wurde. Projektkosten: 1,5 Millionen Euro. Der Bund schoss eine Million Euro zu.

Man habe es hier mit dem „Zivi der Zukunft“ zu tun, sagt Barmer-Sprecher Robert Büssow. Weil Schlaganfälle einer langwierigen und aufwendigen Reha bedürften, unterstütze die Krankenkasse das Projekt. Landesgeschäftsführer Hermann Schmitt: „Wir begleiten Innovationen wie ‚Roreas‘, damit sie bereits im Entwicklungsstadium am Bedarf der Patienten ausgerichtet werden und schließlich auch in der realen Versorgung ankommen. Ich denke, die Robotik hat in der Reha eine große Zukunft vor sich.“

Professor Gustav Pfeiffer von der Fachklinik Bad Liebenstein betont, dass der Reha-Roboter den menschlichen Therapeuten nicht ersetzten solle. Vielmehr handele es sich um eine Ergänzung. „Der Roboter führt Buch über die kleinen Erfolge und kann das Tempo der Rehabilitation entsprechend steigern. Dafür nimmt er sich immer die nötige Zeit“, sagt der Arzt. In einem eng gestrickten Therapieplan sei das ein großer Vorteil.

„Roreas“ achte beispielsweise darauf, dass der Patient sich nicht verläuft, erinnere ihn daran, auch mal eine Pause einzulegen und weist dafür auf entsprechende Sitzgruppen am Weg hin, erklärt Pfeiffer.

Begleitet wurde das Projekt von Sozialwissenschaftlern. „Unsere Untersuchungen zeigen, dass die Patienten keine Berührungsängste gegenüber einem Roboter in der Klinik haben“, sagt Sibylle Mayer vom Sibis-Institut für Sozialforschung in Berlin. Meyer forscht an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. Ihre aktuellen Ergebnisse deuteten darauf hin, „dass sich Patienten durch den Roboter motivieren lassen, weitere Strecken zu gehen und länger zu üben als normalerweise“.

Der Prototyp mit den großen Kulleraugen soll nun weiterentwickelt, das Gangtraining perfektioniert werden, sagt Andreas Bley vom Service-Roboter-Spezialisten Metralabs. Er kalkuliert dafür ein bis zwei Jahre ein. Auf dem Weg zur Marktreife sei man offen für Kooperationen.

Etwa 250 000 Menschen in Deutschland, darunter 10 000 in Thüringen, erleiden jährlich einen Schlaganfall. Er ist die häufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen.

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