AWO-Skandal um Gehälter: Thüringer Landesverband verwehrt Einsicht in Geschäftsführerverträge

Erfurt/Berlin.  Trotz angekündigter maximaler Transparenz ist die Thüringer Awo-Spitze noch immer nicht gewillt, die Gehälter von Managern offenzulegen.

Das Logo der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist auf einem Papier zu lesen. Trotz angekündigter maximaler Transparenz ist die Thüringer Awo-Spitze noch immer nicht gewillt, die Gehälter und Vergünstigungen von Managern offenzulegen.

Das Logo der Arbeiterwohlfahrt (AWO) ist auf einem Papier zu lesen. Trotz angekündigter maximaler Transparenz ist die Thüringer Awo-Spitze noch immer nicht gewillt, die Gehälter und Vergünstigungen von Managern offenzulegen.

Foto: Holger Hollemann / dpa

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Der Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat die Prüfung von Arbeitsverträgen für Thüringer Awo-Manager noch immer nicht abgeschlossen. Auf Nachfrage teilte eine Sprecherin des Bundesverbandes mit, dass zur Dauer des Aufsichtsverfahrens „keine Aussage getroffen werden“ könne. Dabei hatte auch der Thüringer Awo-Landesvorstand die Bundesspitze am 12. Januar gebeten, die gegen den Thüringer Verband und seine Tochter AJS erhobenen Vorwürfe „zeitnah zu prüfen“.

Landesverband: Keine Einsichtsrechte für Vorstandsmitglied

Unterdessen verwehrt der Awo-Landesverband Landesvorstandsmitglied Claudia Zanker die Einsichtnahme in Anstellungsverträge für Geschäftsführer. Der Verband beruft sich dabei auf eine Stellungnahme seines juristischen Beistands, wonach Zanker keine Einsichtsrechte zustünden. Die Entscheidung darüber, wer die Verträge einsehen darf, obliege einzig dem geschäftsführenden Vorstand, heißt es weiter.

Und selbst wenn Zanker das Recht auf Einsicht hätte, müsste sie ein „berechtigtes Interesse vortragen und nachweisen“ und der geschäftsführende Landesvorstand anschließend prüfen, „ob durch die Offenbarung eine Gefährdung der Interessen des Landesverbandes“ gegeben ist. Zanker wird geraten, dass Ergebnis der Prüfung durch den Bundesverband abzuwarten.

Awo-Bundeschef: „An der einen oder anderen Stelle weggeschaut“

Awo-Bundeschef Wolfgang Stadler hatte indes erst jüngst in einem Interview mit dem ZDF-heute journal moniert, dass bei der Kontrolle von Awo-Geschäftsführungen „offensichtlich einige die Augen zugemacht“ haben und es „Zwischenebenen zwischen Kreisgliederungen und Bundesebene“ gebe, „die an der einen oder anderen Stelle weggeschaut haben“. Dass Mitglieder eines Landesvorstands oder Aufsichtsrates wie in Zankers Fall an der Wahrnehmung ihrer Kontrollpflichten gehindert werden, ist dem Bundesverband offenbar nicht bekannt.

Doch nicht nur die Thüringer Awo-Spitze versucht Zanker auszubremsen: Mit Karl-Heinz Stengler hat jetzt auch ein weiteres Vorstandsmitglied Zanker nahegelegt, ihre Nachfragen zu unterlassen und sich auf ihre beruflichen Aufgaben als Schulleiterin und ihre anderen Ehrenämter zu konzentrieren. Sie habe bereits, wirft Stengler ihr in einem Brief vor, „den Ruf der Awo Thüringen und der Ehrenamtler in der Awo schwer beschädigt“. Er rate ihr, einen „Psychologen zu konsultieren“.

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