Zwischen Applaus und Unsicherheit: Angehende Schauspieler in Thüringen

Erfurt/Berlin/München  Die Lebenssituationen junger Thüringer Schauspieler haben wenig mit Hollywood-Glamour zu tun – drei Nachwuchstalente geben Auskunft über ihren Traumberuf

Bereits vor einigen Jahren ergab eine Studie der Universität Münster, dass die meisten Schauspieler in Deutschland über ein Einkommen verfügen, das mit Hollywood-Glamour nicht viel zu tun hat. Foto: Martin Schutt

Bereits vor einigen Jahren ergab eine Studie der Universität Münster, dass die meisten Schauspieler in Deutschland über ein Einkommen verfügen, das mit Hollywood-Glamour nicht viel zu tun hat. Foto: Martin Schutt

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Brotlose Kunst, jede Menge Konkurrenz, unsichere Lebensplanung: Natürlich hat Johanna Meinhard von den Schwierigkeiten des Berufs gehört, bevor sie von Erfurt nach Berlin ging, um Schauspielerei zu studieren. „Klar ist das beunruhigend“, sagt die 22-Jährige. Dennoch hätten sie die Tatsachen nicht abgeschreckt, weil sie liebe, was sie macht. „Ich will diesen Beruf nicht ergreifen, damit ich reich werde, sondern weil er mir Spaß macht.“

Bereits vor einigen Jahren ergab eine Studie der Universität Münster, dass die meisten Schauspieler in Deutschland über ein Einkommen verfügen, das mit Hollywood-Glamour nicht viel zu tun hat. Zudem müssten als Freiberufler oft Zeiten überstanden werden, in denen es keine Aufträge gibt. „Die Hälfte verdient 20 000 Euro brutto oder weniger im Jahr“, hieß es in der Untersuchung. Und fast 60 Prozent der Befragten seien innerhalb der letzten zwei Jahre weniger als sechs Monate beschäftigt gewesen und hätten sich mit Nebenjobs durchschlagen müssen.

Trotz allem: Im TLZ-Gespräch wollen sich aus Thüringen stammende Jungschauspieler die Stimmung nicht verderben lassen. Johanna Meinhard, die im zweiten Jahr an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ studiert, sagt: „Wenn ich davon ausgehe, dass ich an ein Haus komme, wo alle Kollegen gut sind und mir die Arbeit gefällt, dann ist es vielleicht auch in Ordnung, am Anfang etwas weniger Geld zu verdienen.“ Vorteilhaft sei auf jeden Fall, rechtzeitig Kontakte in der Branche zu knüpfen.

Derzeit lebt die 22-Jährige, die vier-, fünfmal im Jahr zurück nach Erfurt kommt, von Bafög. An einen Nebenjob ist allein deshalb nicht zu denken, weil dafür die Zeit fehlt. „So kann man sich schon mal an die Situation gewöhnen“, sagt Meinhard – und lacht.

Auch die gebürtige Thüringerin Carolin Hartmann gibt zu verstehen: „Wer sich für den Beruf des Schauspielers entscheidet, für den darf das Finanzielle nicht an erster Stelle stehen.“ Sie befinde sich aber auch in einer Situation, in der es sich ganz gut leben lasse. Die 28-Jährige, die aus dem 600-Einwohner-Dorf Rüdigershagen im Eichsfeld stammt, hat im vergangenen Jahr ihren Abschluss an der „Ernst Busch“ gemacht. Seit dieser Spielzeit ist sie am Münchner Volkstheater fest angestellt. Gerade ist sie mit einer Bühnen-Neuinterpretation von Rainer Werner Fassbinders Film „Katzelmacher“ beschäftigt, die im März Premiere feierte.

„Ich kann derzeit nicht klagen, obwohl München nicht gerade zu den günstigsten Städten gehört“, sagt Hartmann. Ihr WG-Zimmer sei teurer als ihre frühere Wohnung in Berlin. Sie schätzt daher, dass sie neben der Bühnenarbeit auch die Möglichkeit habe, zu drehen. Das Film- und Fernsehgeschäft sei „sehr lukrativ“.

Daneben versucht sie auch, als Synchronsprecherin Fuß zu fassen, womit sie bereits in Berlin begonnen habe. So könne sie sich ein bisschen etwas für die Zukunft ansparen. „Man will sich ja nicht nur von Monat zu Monat hangeln mit dem Gehalt“, sagt sie. Im Gegenteil: Eine zukunftsorientierte Sichtweise ist ihr wichtig. Spätestens wenn sich irgendwann einmal der Familien- und Kinderwunsch einstellen sollte, „möchte man nicht ohne Rücklagen sein“, findet Hartmann.

Ebenso wie die Münchnerin kann auch der aus Erfurt stammende Florian Kroop derzeit nicht klagen – obwohl er sich erst kürzlich dafür entschieden hat, als Freiberufler zu arbeiten.

Wenn man sich als Schauspieler das Einstiegsgehalt und die Anstellungsbedingungen ansehe, dann sei das schon beunruhigend. „Das kommt einem oft nicht gerecht vor“, sagt der 26-Jährige. Andererseits: Wenn man beginne, Schauspiel zu studieren, dann werde einem das von Anfang an gesagt. Man gelange nicht urplötzlich zu der Erkenntnis. „Angehende Schauspieler wissen, was sie in Kauf nehmen“, sagt er. Abgesehen davon, sei eine gewisse Risikobereitschaft notwendig in der Branche.

Florian Kroop hat seinen Abschluss an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst bereits im Jahr 2013 gemacht. Danach war er zwei Jahre lang festes Ensemblemitglied am Theater Baden-Baden. Doch letztlich habe er festgestellt, dass das nicht sein Lebensentwurf gewesen sei, wie er es formuliert – etwa hinsichtlich Arbeitszeiten und Gehalt. Und so entschied er sich dafür, als freiberuflicher Schauspieler zurück nach Berlin zu gehen. Kroop schwärmt davon, wie toll es gewesen sei, die neugewonnene Freizeit zu genießen und Freunde wiederzutreffen. „Auch meine Familie in Erfurt ist jetzt wieder näher.“ Mindestens zweimal im Monat kommt er zurück nach Thüringen, um Eltern und Bekannte zu besuchen.

Kroop zufolge gebe es tatsächlich Phasen, in denen man bange sei, wann das nächste schauspielerische Projekt komme. „Bis jetzt habe ich da aber immer totales Glück gehabt“, sagt er. Im Dezember war er etwa bei einer Fernsehfilmproduktion dabei. „Das war eine tolle Erfahrung“, auf die er als Festangestellter hätte verzichten müssen.

Es gab eine Zeit, da dachte er: „Film, das ist ja überhaupt nicht meins.“ Diese Sichtweise hat sich jedoch in der Zwischenzeit geändert. Kroop hat in den vergangenen Jahren immer mal wieder „ein bisschen gedreht“, wie er sagt. „Da habe ich gemerkt, dass das total Spaß macht.“ Er schließt es nun nicht mehr kategorisch aus.

Derzeit spielt als er als Gast im Theater der Jugend in Wien eine Hauptrolle. Im Stück „beautiful thing“ (gemeint ist „Erste Liebe“) geht es um zwei Teenager im britischen Arbeitermilieu, die sich ineinander verlieben.

Was er Nachwuchsschauspielern mit auf den Weg geben würde? „Sich Zeit lassen und nicht gleich nach der Schule auf die Schauspielschule gehen“, sagt er. Außerdem: „Lebenserfahrung sammeln und sich gönnen, ein normaler Menschen zu sein und zu leben.“ Kroop selbst hat nach dem Abitur ein Jahr lang im Erfurter Jugendtheater „Die Schotte“ gearbeitet. Mit 19 Jahren begann er bereits, an der Schauspielschule zu studieren. „Da fragt man sich manchmal, ob das nicht zu früh gewesen ist.“ Jeder müsse das jedoch für sich entscheiden, sagt er.

Ein weiterer Tipp für Anfänger: Offenheit. Man dürfe nicht allzu dogmatisch an die Dinge herangehen, sagt der Freiberufler.

Ebenso wie Kroop hat auch Johanna Meinhard lange in der „Schotte“ gespielt. Sieben Jahre war sie dort aktiv, bis heute ist sie Mitglied. „Diese Zeit war für mich ausschlaggebend“, sagt sie. „Ich habe das als wahnsinnigen Ausgleich zur Schule empfunden“ – nicht nur schauspielerisch, sondern auch sozial und menschlich habe sie das weitergebracht. „Es ist einzigartig, was dort an Kultur und Jugendarbeit geleistet wird“, sagt die 22-Jährige. Deshalb ist es ihr sehr wichtig, dass die „Schotte“ bestehen bleibt und weiter gefördert wird. „Das liegt mir sehr am Herzen.“

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