Amtlich bestätigt: Thüringer Wölfin frisst auch Schafe

Gossel  Gossel. Eindeutiger Gentest: Zwei tote Tiere am Rande des Militärgeländes von Ohrdruf gehen auf das Konto des Wolfes.

Die einsame Jungwölfin von Ohrdruf. Seit Mai 2014 lebt Thüringens einziges Wolfstier auf dem Gelände der Bundeswehr, zu dem Besucher keinen Zutritt haben. Foto: Stefan Böttner

Die einsame Jungwölfin von Ohrdruf. Seit Mai 2014 lebt Thüringens einziges Wolfstier auf dem Gelände der Bundeswehr, zu dem Besucher keinen Zutritt haben. Foto: Stefan Böttner

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Zu Pfingsten, Ende Mai, geriet die Thüringer Wölfin erstmals in Verdacht. Vier Schafe, zwei stark angefressen, lagen tot mit Kehlbiss auf der Weide. Vier weitere Tiere starben in der Folgezeit.

Ein Rissgutachter des Landes, ein erfahrener und geschulter Mann, inspizierte die Verletzungen und war sicher: Das war der Wolf hier auf der Wiese bei Schwabhausen vor den Toren von Gotha, nicht weit entfernt von Ohrdruf. Auf dem abgesperrten Areal der Bundeswehr streift seit mehr als einem Jahr eine junge Wölfin einsam durch die Wälder. Sie lief von Sachsen nach Westen.

Wochen später lag das Laborergebnis vor und überraschte die Experten. Der Gentest ergab, es waren Hunde, die die Schafe von Schwabhausen massakrierten. Mancher Schäfer stutzte, traute auch nicht wirklich dem Ergebnis. Ein Schäfer sagte: Seit Jahren weiden meine Schafe in der Gegend. Und nie erblickte ich dort streunende Hunde.

Hass auf Wölfe: Ein Tier wurde geköpft

Aber jetzt, endlich, herrscht Klarheit: Die Thüringer Wölfin frisst auch Schafe. Im konkreten Fall waren es zwei junge Tiere aus einer großen Herde, die bei Gossel stand, am Südostrand des Militärgeländes von Ohrdruf. Das renommierte Senkenberg-Institut aus Gelnhausen (Hessen) hat die Beweise ausgewertet und jetzt vorgelegt. Die Tat geschah am 13. Juli 2015.

Seither aber blieb es ruhig. „Von weiteren Schafsrissen habe ich nichts gehört“, sagte Arno Rudolph vom Landesschafzüchterverband am Freitag der Thüringer Allgemeine. Die Stimmung unter den Schäfern sei nicht ausgesprochen wolfsfeindlich, sondern abwartend. „Das kann sich natürlich ändern, wenn Situationen wie in Sachsen und Brandenburg eintreten.“ Dass die 200 bis 250 Wölfe, die dort leben, gelegentlich auch Nutztiere reißen, steigert die Beliebtheit der Raubtiere nicht. Allein in Brandenburg wurden schon acht Wölfe illegal erschossen, einer wurde im vergangenen Jahr außerdem geköpft.

Fünf Jahre Haft und Strafen bis zu 50 000 Euro drohen dem Täter. Wer Wölfe tötet, begeht eine Straftat. Doch bisher wurde in Brandenburg niemand gefasst. Und wenn einmal ein Wolfstöter in Deutschland als Täter überführt wurde, waren die Geldstrafen gering – 1000 Euro etwa. Eine beliebte Ausrede lautet: Ich dachte, das wäre ein Hund.

Wolfshass ist das eine, die Realität etwas anderes. „Wenn Wölfe tausend Tiere reißen, sind nur sechs Nutztiere darunter. Das ist eine Quote von 0,6 Prozent“, sagt ein staatlicher Wolfsschützer. Auf dem Speiseplan von Wölfen stehen vielmehr Rehe, Schwarzwild und kleineres Wild.

Zum Schutz der Schafe vor dem Wolf hat das Thüringer Umweltministerium vor wenigen Wochen das erste Wolfsgebiet des Landes ausgewiesen. Es umfasst das gesamt Militärgelände in Ohrdruf und einige Kilometer darüber hinaus. Insgesamt ist das Gebiet circa 2800 Quadratkilometer groß.

Schäfer, die dort mit ihren Herden Landschaftspflege betreiben, erhalten nun staatliche Zuschüsse, wenn sie ihre Tiere schützen: wenn sie Herdenschutzhunde kaufen oder robuste elektrische Zäune. Bisher hat erst ein Schäfer einen Förderantrag für einen Zaun gestellt, ein zweiter möchte einen Hund.

„Das Land bezuschusst zwar die Anschaffung des Hundes, aber nicht das Futter“, sagt ein Schäfer. Etwa tausend Euro pro Jahr kostet der Unterhalt des eines großen Herdenschutzhundes. Für die Schäfer ist auf jeden Fall klar: Hier müsste das Land bei der Förderung noch freigiebiger sein.

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