„Der Wolf passt nur bedingt in unsere Kulturlandschaft“

Erfurter Land  Mit Hans-Joachim Lüttge aus Gebesee, dem Vorsitzenden der Hegegemeinschaft Gera-Unstrut, im Gespräch

Hans-Joachim Lüttge ist seit 1964 Jäger – aus Interesse an der Natur und der Umwelt. Foto: Angelika Reiser-Fischer

Hans-Joachim Lüttge ist seit 1964 Jäger – aus Interesse an der Natur und der Umwelt. Foto: Angelika Reiser-Fischer

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Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie mit Sitz in Jena brachte jetzt eine Karte heraus, die ein Wolfsgebiet für Thüringen bestimmt. Ein großer Teil des Erfurter Umlandes von Udestedt bis Döllstädt ist mit ausgewiesen. TA sprach dazu mit Hans-Joachim Lüttge (72) aus Gebesee, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Gera-Unstrut.

Seit wann gehen Sie auf die Jagd?

Seit 1964. Ich war früher Lehrer und mich trieb mein Interesse an Natur und Umwelt hinaus . Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn Jäger inzwischen oft attackiert werden und gefordert wird, sie sollten der Natur ihren freien Lauf lassen.

Jene Karte der Landesanstalt zum Thüringer Wolfsgebiet umfasst zahlreiche Gemarkungen nördlich von Erfurt, auch die komplette Fahner Höhe. Passt der Wolf hierher?

In unsere heutige Kulturlandschaft nur bedingt. In einer Gebeseer Chronik von 1638 ist von einer wahren Wolfsplage die Rede, bei der Rudel in die Dörfer der Fahner Höhe einfielen und Speisereste vor den Häusern fraßen. Aber die Bedingungen heute sind ganz andere. Es gibt zahlreiche Straßen, die stark befahren sind, Kanalisation und Müllabfuhr halten die Orte sauber, die Felder werden mit Maschinen bestellt, es herrscht mehr Unruhe in der Landschaft als damals. Deshalb wird es für den Wolf schwer werden, hier überhaupt richtig Fuß zu fassen.

Sehen Sie als Jäger Probleme?

Nein, gar nicht. Eher die Schäfer, zumindest in Niedersachsen gibt es einige, die bereits Verluste beklagen. Aber selbst wenn sich ein bis drei Wölfe in der Fahner Höhe ansiedeln, entstünde bei uns kein nennenswerter Schaden. Es wird für meine Begriffe zu viel Aufregung erzeugt. Auch der Luchs wird hier beispielsweise wieder angesiedelt – da regt sich niemand auf. Dabei ist er auch ein Raubtier.

Der Wolf – ein zu vernachlässigendes Problem?

Eine Größenordnung von Wolfsvorkommen wie im Jahr 1638 wird es nicht wieder bei uns geben. Auch dem Straßenverkehr werden Tiere zu Opfer fallen. Mit einem Wort: Es fehlen die Grundlagen dafür, dass sich der Wolf hier überdimensional einleben kann.

Auf der Karte der Landesanstalt ist ein Radius von 30 Kilometern um den Truppenübungsplatz Ohrdruf gezogen.

Der Wolf hat schon immer hier existiert, er hat seine Berechtigung. Es gibt allerdings auch Gerüchte, nach denen der bei Ohrdruf lebende Wolf ganz bewusst dort angesiedelt wurde.

Könnte eventuell der Wolf das verloren gegangene ökologische Gleichgewicht der Natur wieder herstellen?

Das glaube ich eher nicht. Der Mensch hat es sozusagen in „Unordnung“ gebracht. Ohne sein Eingreifen wird es auch künftig nicht gehen.

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