Erneut Fohlen in Thüringen gerissen – Züchter vermutet: „Ohrdrufer Wölfin ist nicht allein“

Liebenstein  Es ist wohl der zweite Fohlenriss durch einen Wolf in Thüringen – vielleicht sogar der dritte. Landwirt Heinz Bley bereitet die Masse des verschlungenen Fleisches größte Sorgen.

2017 war die Wölfin von Ohrdruf das Raubtier mit den meisten Nutztierrissen in ganz Deutschland. Symbol-

2017 war die Wölfin von Ohrdruf das Raubtier mit den meisten Nutztierrissen in ganz Deutschland. Symbol-

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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Die Wölfin von Ohrdruf ist auf den Geschmack von Pferdefleisch gekommen. Über Ostern hat sie erneut ein Fohlen auf einer Koppel zwischen Liebenstein und Crawinkel gerissen. Das geht aus der amtlichen Rissbegutachtungstabelle hervor.

„Das Fohlen war zehn Tage alt, gesund und munter. Wir haben den Kopf und das Skelett am Ostersonntag entdeckt“, sagt Züchter Heinz Bley, Bürgermeister von Crawinkel, unserer Zeitung.

Fleischmenge ist Anlass zu größter Sorge

Das ist wohl der zweite Fohlenriss durch einen Wolf in Thüringen – vielleicht sogar der dritte. „Vor zwei Wochen“, sagt Bley, „war ein acht Tage altes Fohlen plötzlich verschwunden. Da es die Muttermilch braucht, wird es nicht weggelaufen sein. Es wurde wahrscheinlich am Rande einer Koppel gerissen und eventuell in die Felder gezogen.“ Der erste Fohlenriss in Thüringen datiert vom 19. März dieses Jahres. Das Tier stand auf derselben Koppel bei Liebenstein wie das über Ostern gerissene.

Größte Sorgen bereitet Bley die Masse des verschlungenen Fleisches. Etwa 50 Kilogramm wog das Jungtier. 40 Kilo Fleisch sind weg. „Bei solchen Fleischmengen gehe ich davon aus, dass die Wölfin nicht allein ist“, sagt Bley.

Der Wolfsmischling, den die Wölfin im Mai 2017 gebar, kann über Ostern nicht mehr mitgefressen haben. Er wurde eine Woche zuvor im Auftrag des Umweltministeriums erschossen.

Erneut mit Nachwuchs bei Wölfin?

Das Umweltministerium betont, dass die Bilder der bei Ohrdruf aufgestellten Fotofallen immer nur die Wölfin oder ihren Bastardsohn zeigten. Eine offizielle Bestätigung für Beobachtungen von Jägern, die beteuern, einen weiteres wolfsähnliches Raubtier in der Gegend gesehen zu haben, gibt es nicht. Von den sechs Mischlingswelpen der Ohrdrufer Wölfin wurden nachweislich vier geschossen. Das Schicksal der zwei anderen ist nicht bekannt.

Ob die Wölfin seit wenigen Tagen wieder Nachwuchs hat und Welpen mitversorgen muss, ist für Heinz Bley momentan noch Spekulation. Das Thüringer Umweltministerium hatte bereits vor Monaten eine Paarung zwischen der Wölfin und deren Mischlingssohn befürchtet und deshalb die Jagd auf den Hybriden intensiviert.

Sollte der Welpenfall eintreten, könnten Erinnerungen an 2017 wach werden. Nachdem die Wölfin damals im Mai sechs Welpen zur Welt gebracht hatte, begann in Thüringen eine einzigartige Rissserie, die im Juli plötzlich begann und bis Dezember anhielt. Mehr als 80 Schafe und Ziegen wurden in diesem Halbjahr gerissen. 2017 war die Wölfin von Ohrdruf das Raubtier mit den meisten Nutztierrissen in ganz Deutschland.

Momentan tummeln sich etwa 60 Zucht- und Wildpferdfohlen auf den Bley’schen Koppeln bei Crawinkel. Es ist jetzt Fohlenzeit. Bis August, sagt Bley, würden weitere 120 Fohlen geboren.

Für die beiden wertvollen Zuchtfohlen, die nach Sichtprüfung des staatlichen Rissgutachters vom Wolf getötet wurden, stellt Heinz Bley dem Land jeweils 5000 Euro in Rechnung.

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