Mehr Nester, aber weniger Jungstörche in Thüringen

Ingo Glase
Auf dem Schornstein der Firma Stein in Mechterstädt nistete 2022 wieder ein Storchenpaar.

Auf dem Schornstein der Firma Stein in Mechterstädt nistete 2022 wieder ein Storchenpaar.

Foto: Lutz Ebhardt

Jena.  Der Nabu Thüringen sieht große Erfolge durch den Artenschutz.

123 besetzte Weißstorchnester und 207 flügge gewordene Jungstörche wurden dem Nabu Thüringen für die Storchenbilanz 2022 gemeldet. Das seien elf Nester mehr als im Vorjahr, so Klaus Schmidt, „ein neuer Rekord“. Der Storchenexperte des Nabu Thüringen beschäftigt sich seit 57 Jahren ehrenamtlich mit der Registrierung und Dokumentation der Thüringer Brutstörche. „Allerdings wurden trotz der größeren Anzahl von besetzten Nester nur 207 Jungstörche flugfähig, das sind 26 weniger als noch im letzten Jahr.“

Infolge der Klimaerwärmung kehren Weißstörche, die in Thüringen brüten, immer früher zu ihren Brutplätzen zurück. „Im Werragebiet haben wir Ende Februar 2022 schon viele Brutvögel registrieren können. Mitte März waren es 90 Prozent und wenig später war der vorjährige Brutbestand mit 58 Altstörchen komplett erreicht. Danach trafen nur Nichtbrüter, Durchzügler und Jungstörche ein. Vor 50 Jahren kam der überwiegende Teil der heimischen Weißstörche erst im April zurück“, weiß Klaus Schmidt.

„In Thüringen ist das Werratal einer der großen Hotspots für Weißstörche“, erklärt Nabu-Sprecher Jürgen Ehrhardt. „Aber auch im Unstruttal siedelt sich Adebar gerne an. Ansonsten verteilen sich die Vorkommen vereinzelt über den Freistaat, wie zum Beispiel in Ostthüringen und im nördlichen Vorland des Thüringer Waldes.“

Laut Nabu hat sich die Anzahl der Brutpaare von Weißstörchen in den letzten zehn Jahren in Thüringen mehr als verdreifacht. 2012 hätten im Freistaat nur 36 Storchenpaare gebrütet, heute sind es 123. Maßnahmen zum Artenschutz und zur Verbesserung der Nahrungsbiotope sowie der Bau von Nistunterlagen in geeigneten Lebensräumen hätten dazu beigetragen.