Sturm „Eberhard“ über Thüringen: Anhänger kracht in Bus, Straßen gesperrt, Todesopfer in Deutschland

Leipzig/Erfurt  Sturmtief „Eberhard“ tobt über Thüringen. Mehrere Dächer wurden abgedeckt, viele Straßen sind gesperrt, Bäume und Strommasten knickten um. Ein Wohnwagen ist umgekippt. Bis gegen 21.30 Uhr musste die Feuerwehr über 220 Mal ausrücken.

Auf der Reichenbach-Talbrücke der Autobahn A 71 kommt es bei Sturm immer wieder zu Unfällen. Archivfoto: Ralf Ehrlich

Auf der Reichenbach-Talbrücke der Autobahn A 71 kommt es bei Sturm immer wieder zu Unfällen. Archivfoto: Ralf Ehrlich

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Der Deutsche Wetterdienst DWD hat für ganz Thüringen eine amtliche Unwetterwarnung herausgegeben. Laut DWD kann das Sturmtief Eberhard am Sonntagnachmittag und -abend orkanartige Böen von bis zu 120 km/h erreichen. Das Sturmgebiet ist groß und kann zwischen einer und drei Stunden andauern, so der DWD. Gegen 22 Uhr wurde die Sturmwarnung für Thüringen wieder aufgehoben.

Möglichst nicht im Freien aufhalten

Nach Angaben des DWD können bei orkanartigen Böen Bäume entwurzelt und Dächer beschädigt werden. Insbesondere sollte man auf herabstürzende Äste, Dachziegel oder Gegenstände achten. Die Menschen in Thüringen sollten alle Fenster und Türen schließen und Gegenstände im Freien sichern.

Wer nicht dringend nach draußen muss, sollte sich möglichst in geschlossenen Räumen aufhalten. Wer den Aufenthalt im Freien nicht vermeiden kann, sollte Abstand von Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten.

Eine Verletzte - 200 Rettungseinsätze

Am späteren Sonntagnachmittag mussten bereits zahlreiche Straßen in Thüringen wegen herabgestürzter Äste, umgefallener Bäume oder umherfliegender Dachziegel gesperrt werden. Bis 20 Uhr gab es laut Polizei mindestens eine leicht verletzte Frau, als sie mit ihrem Auto über einen Baum fuhr. Die Feuerwehr musste in ganz Thüringen bis 21.30 Uhr zu rund 200 Einsätzen ausrücken. Zudem gab es thüringenweit noch 32 Warnmeldungen wegen gesperrter Straßen oder umgestürzter Bäume.

Wie die Landeseinsatzzentrale am Montag mitteilte, kam es am Sonntag zwischen von 14 Uhr bis 23.20 Uhr zu etwa 224 Einsätze für Feuerwehren und Polizei. Darüber hinaus gab es 18 witterungsbedingte Verkehrsunfälle. Es entstanden Gebäude- und Fahrzeugschäden sowie zahlreiche Verkehrsbehinderungen durch umgestürzte Bäume, Verkehrszeichen und Fassadenteile.

Diese Straßen sind gesperrt

In Erfurt lagen auf der Stotternheimer Straße in Höhe An der Lache Dachteile auf der Straße. Die Materialien eines benachbarten Baustoffhandels waren auch auf die Schienen geweht worden, so dass es zu Behinderungen im Straßenbahnverkehr kam.

Außerdem wurden laut Landeseinsatzzentrale mindestens zwei Dächer in Erfurt abgedeckt. Die Hohenwindenstraße musste zwischen Barkhausenstraße und Siemens-Straße gesperrt werden. Auf der Prager Straße stürzte ein größerer Baum vor einem Wohnblock um und musste von der Feuerwehr entfernt werden.

Dach von Berufsschule abgedeckt

In Rudolstadt wurde bereits am Sonnabend, als Sturmtief Dragi durch Thüringen wehte, das Dach des Staatlichen Berufsschulzentrums in der Trommsdorffstraße abgedeckt. Gegen 21.15 Uhr waren noch die Straßen zwischen Neuhaus und Katzhütte gesperrt. Im Saale-Orla-Kreis wehte am Sonntag der Sturm einen Strommast bei Wurzbach um. Die Straße nach Breitenhain war durch umgestürzte Bäume am Sonntagabend blockiert. Insgesamt gab es am Sonntag nach Angaben der Rettungsleitstelle rund 30 Feuerwehr-Einsätze in Saalfeld-Rudolstadt und im Saale-Orla-Kreis.

Im Eichsfeld stürzten Bäume und Strommasten um. Der Schwerpunkt der Feuerwehreinsätze war gegen 18 Uhr. Hier lesen Sie einen Report der Rettungskräfte vom Wochenende. Am Samstagabend kam es aufgrund des Sturmes „Dragi“ in Heyerode (Eichsfeld) bereits zu einem gut anderthalb Stunden andauerenden Stromausfall. Auch Internet und Mobilfunk fielen kurz darauf für rund 2300 Eichsfelder aus.

Im Weimarer Land musste die B85 bei Blankenhain gesperrt werden. Als die Feuerwehr einen umgestürzten Baum gegen 20.30 Uhr beseitigen wollte, krachte ein weiterer Baum in einen weiteren Baum am Straßenrand.

In Jena stürzte ein Baum gleich auf drei Autos. Die B7 musste zwischen Isserstedt und An der Papiermühle in beiden Richtungen gesperrt werden. Außerdem hat bei der Villa am Paradies im Jenaer Stadtzentrum der Sturm Ziegel abgedeckt. Die Knebelstraße ist zur Zeit gesperrt.

Ein 16 Meter lang Baum drohte Sonntagabend auf die Landstraße zwischen Ruttersdorf und Bobeck im Saale-Holzland-Kreis zu stürzen, die Feuerwehr fällte den Baum.

Auf der A9 in Höhe der Abfahrt Eisenberg waren Bäume auf eine Fahrbahn gestürzt. Ein fuhr laut Polizei hinein. Es gab jedoch keine Verletzten, auch musste die Fahrbahn nicht gesperrt werden.

In Altenburg drohte ein Rohbau in der Puschkinstraße einzustürzen. Steine lagen auf der Fahrbahn.

Wie schon bei den letzten Stürmen musste der Geraer Ostfriedhof wegen Baumbruchs geschlossen werden. Im Park der Jugend wurde ein Spielgerät beschädigt.

Anhänger kracht in Bus

Im Landkreis Greiz kam es auf der Ortsverbindungsstraße (L 1081) zwischen Vogelgesang und Seelingstädt (Gemeinde Braunichswalde) zu einem sturmbedingten Verkehrsunfall mit hohem Sachschaden. Laut Polizei erfasste eine Sturmböe einen leeren Anhänger eines 29-jährigen Kleintransporter-Fahrers, der daraufhin von Fahrbahn angehoben und gegen einen im Gegenverkehr befindlichen Bus geschleudert wurde. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Es entstand ein Sachschaden in Höhe von etwa 50.000 Euro.

In Könitz (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) benötigte gegen 22.30 Uhr ein Lkw-Fahrer Hilfe. Der Auflieger seines Sattelzugs war durch den Sturm zur Seite gekippt und lediglich durch die Zugmaschine am Umfallen gehindert worden.

Auf der Landstraße von Schleiz in Richtung Zollgrün stieß ein 42-Jähriger mit seinem Transporter gegen 18.45 Uhr mit einem umgestürzten Baum zusammen. Er zog sich leichte Handverletzungen zu und kam zur weiteren Behandlung ins Schleizer Krankenhaus.

Wegen umgestürzter Bäume sind die Straßen zwischen Altmörbitz und dem Abzeig Klausa ( Altenburger Land) sowie zwischen Lauchröden und Sallmannshausen ( Wartburgkreis) gesperrt. Ebenfalls im Wartburgkreis ist die Straße zwischen Oberellen und dem Abzweig Neustädt durch umgestürzte Bäume blockiert. Auch die Straßen zwischen Dietzhausen und Suhl sowie zwischen Neustadt an der Orla und Hummelshain waren zeitweise gesperrt.

Den Fahrern von leichten Lkw, Pkw-Gespannen mit Anhänger und Wohnmobilen wird dringend empfohlen, die Brücken der A 71 zwischen Ilmenau-West und Gräfenroda zu meiden. In Richtung Schweinfurt kann die Umleitung U98 und in Richtung Erfurt die U13 und U99 genutzt werden. Auf der A73 in Richtung Sangerhausen werden Fahrer gebeten, ab der Anschlussstelle Schleusingen die U13 und U99 zu nutzen.

Ebenfalls auf der A71 zwischen Sömmerda-Ost und Sömmerda-Süd in Richtung Schweinfurt kam es zu Behinderungen wegen eines umgestürzten Wohnwagens. Der Abschnitt musste zeitweise für die Bergung gesperrt werden.

Auf der A38 liegen zwischen Heiligenstadt und Leinefelde-Worbis mehrere Verkehrszeichen auf der Fahrbahn.

Im Landkreis Nordhausen ist die Straße zwischen Kleinfurra und Straußberg durch umgestürzte Bäume blockiert, ebenso die Strecke zwischen Ellrich und Gudersleben. Im Kyffhäuserkreis ist die Straße zwischen Kalbsrieth und Ziegelroda dicht, ebenso zwischen Bendeleben und dem Abzweig Hachelbich. Die B85 ist zwischen Bad Frankenhausen und Kelbra nicht befahrbar.

Im Ilm-Kreis und im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ist die Strecke zwischen Großbreitenbach und Katzhütte nicht befahrbar. Die B85 musste zwischen Blankenhain und Saalborn in beiden Richtungen gesperrt werden.

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen ist die Straße zwischen Herpf und Dreißigacker betroffen, ebenso zwischen Weimarschmieden und Helmershausen. Zwischen Melpers und Reichenhausen ist die Bundesstraße B285 wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Auch zwischen Unterkatz und Wahns sowie zwischen Kühndorf und der B19 ist die Straße blockiert.

Auf der B84 ist die Ortsdurchfahrt Reichenbach gesperrt.

Dorf von Außenwelt abgeschnitten

In Südthüringen wurde ein Dorf von der Außenwelt abgeschnitten. Auf der einzigen Verbindungsstraße nach Föritztal-Mönchsberg (Landkreis Sonneberg) verhinderten am Sonntag mehrere quer liegende Bäume die Durchfahrt, wie die Polizei mitteilte. Als die Feuerwehr versuchte, diese zu beseitigen, stürzten weitere Bäume um, sodass die Arbeit aus Sicherheitsgründen vertagt wurde. Mehrere Mönchsberger, die nicht mehr nach Hause konnten, wurden von Feuerwehr oder Hilfsorganisationen untergebracht. „Der Großteil der Mönchsberger weiß vermutlich noch nicht einmal über den Umstand Bescheid, dass sie am Morgen nicht zur Arbeit fahren können“, hieß es in der Mitteilung der Polizei. Auch im Dorfinneren zeigte der Sturm seine Folgen: Im ganzen Dorf fiel am Sonntag der Strom aus.

Todesopfer durch Sturm „Eberhard“: Autofahrer von Baum erschlagen

Am Sonntagabend forderte Sturm Eberhard im Hochsauerlandkreis das erste Todesopfer. Ein entwurzelter Baum stürzte laut Polizei während der Fahrt auf das Auto des Mannes gestürzt, für den 47-Jährigen sei jede Hilfe zu spät gekommen.

Ein Fernsehteam filmte mehr oder weniger zufällig, wie Teile eines Daches abgedeckt wurden und auf dem Auto der Reporter landeten:

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Bahn stellt Fernverkehr in NRW ein

Die Deutsche Bahn stoppte derweil den Fernverkehr und Teile des Regionalverkehrs in Nordrhein-Westfalen. Die Züge würden am nächsten Bahnhof gestoppt, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. Die Entscheidung sei wegen „vieler gesperrter Strecken und zur präventiven Schadensabwendung“ getroffen worden, schrieb die Bahn bei Twitter. Bei Aachen und Köln waren zuvor an mehreren Stellen Bäume auf die Schienen gefallen und blockierten den Zugverkehr. Auch zwei wichtige Stellwerke in Wuppertal und Essen waren wegen des Sturms zeitweise gestört.

Nach dem Sturm fällt Schnee und es wird glatt

Nach dem Sturm gehen die Temperaturen zum Wochenanfang in den Keller. In der Nacht von Sonntag auf Montag fällt vor allem oberhalb von 300 Metern bis zu 10 Zentimenter Neuschnee. Dadurch besteht am Montagvormittag Gefahr durch Glatteis.

Sturm „Dragi“ entwurzelte Bäume und deckte Dächer ab

In Thüringen hatte bereits am Samstag Sturm „Dragi“ örtlich für Chaos gesorgt. Vor allem der Autoverkehr wurde durch zahlreiche umgestürzte Bäume behindert. Personen kamen nicht zu Schaden.

„Dragi“ und „Eberhard“: Viele Schäden nach Sturm-Wochenende in Thüringen

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