Berlin. Der CDU-Chef galt lange selbst als großer Risikofaktor für eine erfolgreiche Bundestagswahl. Das hat sich geändert. Mit ersten Folgen.

Friedrich Merz kann sich das Lächeln nicht verkneifen. Es ist nicht triumphal, aber selbstbewusst. „Siehste, wusste ich’s doch“ – so ein Lächeln ist das. Es ist Montagmittag, eigentlich geht es um das Europawahlprogramm der Union, als ein Journalist CSU-Chef Markus Söder fragt, ob er die Sache mit der K-Frage nicht mal abkürzen und Merz zur Kanzlerkandidatur gratulieren könne. Söder guckt säuerlich und versucht es mit einem Witz. Die K-Frage sei doch gelöst, Ursula von der Leyen solle wieder EU-Kommissionspräsidentin werden. Eine andere Antwort gibt es an diesem Mittag nicht – wie sie ausfallen würde, ist inzwischen aber nahezu eindeutig.

Merz und Söder betonen auffallend oft an diesem Tag, wie sehr sie an einem Strang ziehen: Der CDU-Chef schwärmt von der großen „persönlichen“ Übereinstimmung, der CSU-Chef stimmt zu. Das Signal: Burgfrieden zwischen Arnsberg und Nürnberg. Der Sauerländer und der Franke stehen zusammen.

Lesen Sie auch:Kanzlerkandidat? „Merz wäre im Moment der klare Favorit“

Dahinter steht die schlichte Einsicht in die Lage: In den Umfragen zur Europawahl liegen CDU und CSU zusammen im Moment klar unter 30 Prozent – die AfD allein kommt auf deutlich über 20 Prozent. Möglich, dass die rechte Partei am 9. Juni stärkste Einzelpartei wird. Merz und Söder wissen beide, dass nichts die relative Stabilität der Union so gefährden würde wie eine Personaldebatte. Die katastrophale Selbstzerstörungslust der Union rund um die Bundestagswahl 2021 sitzt allen noch in den Knochen.

Merz und Söder – das Duell ist so gut wie entschieden

Hinzu kommt: Das Duell zwischen den Chefs der beiden Schwesterparteien in Berlin und Bayern – es ist so gut wie entschieden. Das liegt weniger an Söder, sondern vor allem an Merz – genauer: An der wachsenden Lust der CDU auf einen wie ihn. Das ist neu: Ende 2023 drehten viele in der Partei noch die Augen gen Himmel beim Gedanken an einen Kanzlerkandidaten, der seine Lust auf Provokation nicht immer im Griff hat und dessen konservatives Weltbild nicht mehr in die Zeit zu passen schien.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von X, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung

Wenn schon einer aus der CDU, dann doch lieber Hendrik Wüst, hieß es sogar bei CSU-Leuten im Bundestag. Dass der NRW-Ministerpräsident Ambitionen hat, war schließlich mehr als sichtbar. Inzwischen finden dagegen sogar Parteifreunde, die bislang alles andere als Merz-Fans waren, dass der Mann seine Sache gut macht. Die Lust auf Söder dagegen bewegt sich bei den meisten auf der Nulllinie.

„Ein Spitzenkandidat muss Kompetenz und Charakter verbinden“, sagt ein CDU-Mann, der die Stimmung gut einschätzen kann. Mit Blick auf Söders Charakter, das ist der Subtext dieses Satzes, sind die alten Wunden nicht verheilt. Das Vertrauen in Söder ist kaputt, da hilft es auch wenig, wenn der Bayer nach wie vor in den Beliebtheitsrankings vor Merz ins Ziel läuft.

Merz über die Grünen: „Keine besonders verlockende Aussicht“

Doch es ist nicht nur der Unmut über Söder – es ist auch Merz selbst, der die Stimmung zu seinen Gunsten dreht. Beispiel Koalitionsoptionen. Während die Grünen im vergangenen Jahr für den CDU-Chef noch der „Hauptgegner“ waren, rüstet Merz jetzt ab und kann sich sogar ein Bündnis auf Bundesebene vorstellen. Er regt sich an diesem Montag genüsslich über Robert Habecks hemdsärmelige Art auf, hat sich aber für Pragmatismus entschieden: „Keine besonders verlockende Aussicht, aber eine regierungsfähige Mehrheit muss es geben“, schrieb Merz Anfang Februar an seine Anhänger.

Das kommt bei denen gut an, die es schon deshalb „total dusselig“ finden, Schwarz-Grün auszuschließen – zum Beispiel, weil sie in Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein recht geräuschlos mit den Grünen regieren. Der aggressive Ton dagegen, den viele in der CSU nach wie vor gegen die Grünen anschlagen, sei sogar schädlich. Das Argument: Die christdemokratische Stammwählerin aus den bürgerlichen Hochburgen im Westen findet solche Feindseligkeiten einfach nur blöd.

ParteiChristlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)
Gründung26. Juni 1945
IdeologieChristdemokratie, Konservatismus, Liberalismus, Europäische Integration
VorsitzenderFriedrich Merz (Stand: Dezember 2023)
Fraktionsstärke152 Abgeordnete im Bundestag (Stand: Dezember 2023)
Bekannte MitgliederAngela Merkel, Ursula von der Leyen, Jens Spahn

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Überhaupt, die Frauen: Ohne starken Rückhalt bei den Wählerinnen gibt es keine Regierungsmehrheit. Angela Merkel war als Kanzlerin nicht nur, aber auch deswegen so stabil, weil sie die Frauen jenseits des CDU-Milieus mobilisieren konnte. Merz dagegen fällt das schwer. Wenn sich jetzt eine der prominentesten CDU-Frauen, Parteivize Karin Prien, die bislang nicht im Verdacht stand, ihren Parteichef besonders großartig zu finden, sichtbar hinter Merz stellt, dann zeigt sich der Stimmungswechsel: Wenn er Kanzlerkandidat werden wolle, habe er ihre volle Unterstützung, sagt sie heute.

Söder wird seine Ambitionen aus strategischen Gründen nie kategorisch ausschließen

Im liberalen und christsozialen Merkel-Lager der CDU findet nicht nur Prien, dass Merz seinen Job gut macht, dass ihm die Balance zwischen harter Opposition und staatspolitischer Kooperationsbereitschaft gelingt. Bei vorgezogenen Neuwahlen wäre Merz als Kanzlerkandidat gesetzt – das sieht auch Söder so. Bleibt die Ampel dagegen im Amt, soll die K-Frage nach den Wahlen Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September final entschieden werden. Merz hat den ersten Zugriff, wenn kein anderer aus der CDU in den Ring steigt, dürfte der Weg frei sein.

Sicher, Söder wird seine Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur schon aus strategischen Gründen bis zuletzt nicht kategorisch ausschließen. Doch seine Wortwahl zeigt jetzt: Er glaubt selbst nicht mehr dran. Es sei „extremst unwahrscheinlich“. Und: In der CSU würde es keiner wollen, „außer einem, der theoretisch könnte“, sagt Söder mit Blick auf sich selbst. „Theoretisch könnte der die theoretische Option sein.“ Merz dagegen, der im Dezember noch öffentlich über sein Alter und seine Fitness nachdachte, erklärte sich jetzt für tauglich: „Ich fühle mich fit und mein Alter kann ich nicht ändern.“

NameFriedrich Merz
Geburtsdatum11. November 1955
AmtCDU-Vorsitzender
ParteiCDU
Parteimitglied seit1972
FamilienstandVerheiratet, drei Kinder
Größe1,98 Meter
WohnortArnsberg