Altenburg. Bastian Leikeim kam aus Franken, um die kriselnde Altenburger Brauerei zu übernehmen. Heute gehört er zu den Besten seines Fachs, doch der Anfang war schwer.

  • Bastian Leikeim von der Altenburger Brauerei schaffte es unter die Top 10 der weltbesten Bier-Sommeliers.
  • Seine prämierten Biere braut er mit Deutschlands bestem Hopfen.
  • Doch es war kein leichter Weg zum Erfolg.

Einen fränkischen Brauereibesitzer stellt man sich vor als dickbäuchigen Patron mit einem Humpen Gerstensaft in der Hand, seinen Dialekt pflegend. Falsch. Bastian Leikeim, Chef der Altenburger Brauerei, ist ein schlanker Vierziger mit angegrautem Haar, freundlich und aufmerksam seiner Umwelt begegnend. Nur eines hat er auch, einen fränkischen Dialekt. Und so offenbart sich das rollende „R“ bei jedem Gespräch.

Leikeim verkörpert den Typ moderner Biertrinker, jung, dynamisch, geschmacksorientiert. Dass er sich zu den zehn besten Biersommeliers der Welt zählen darf, macht ihn Stolz.

Sebastian Leikeim im Sudhaus der Altenburger Brauerei. 
Sebastian Leikeim im Sudhaus der Altenburger Brauerei.  © Petra Lowe | Petra Lowe

Leikeim ist Nachfahre eines Bierbrauers aus Altenkunstadt. Eigentlich war der Ururgroßvater Johann Leikeim Metzger und Gastwirt. „Über den Stallungen hat es eine Wirtsstube gegeben. Dann wollte er sein eigenes Bier und das war erfolgreich.“ Im Fränkischen ist das Bierbrauen eine weitverbreitete Sitte. Von den über 600 Brauereien in Bayern seien 350 allein in Franken zu finden, berichtet Leikeim.

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Das Familienunternehmen besteht seit 1887. Eine lange Tradition, auf die Bastian Leikeim nicht nur beim Bier verweisen kann. Auch im Geschäft. „Ein Handschlag sollte immer noch etwas gelten“, sagt er, der sich im Sinne eines Kaufmanns als verlässlichen Partner verstanden wissen will. Leider würde sich die Gesellschaft immer weiter weg bewegen von Vertrauen auf einmal Vereinbartes. „In großen Unternehmen müssen sie sich alles bestätigen lassen, könnte anders kommen als vereinbart“, spricht Leikeim aus Erfahrung.

Von München zog es den Brauer ins Altenburger Land

Die Karriere als Bierkönig war ihm vielleicht vorherbestimmt, doch der Weg führte den heute 40-Jährigen zunächst weg davon. Quasi im Bierfass groß geworden, zog es ihn in die Welt, nach Amerika, schließlich nach München. „Ich mag München, es ist eine pulsierende Stadt, weltoffen, gastlich, die Biergärten und die Natur“, schwärmt Leikeim und strahlt aus seinen braungrünen Augen. Jedoch sei die Zeit vor Altenburg auch nicht das Glück pur gewesen. Die Arbeit habe ihm keinen Sinn gegeben. Die Lösung für den noch nicht 30 Jahre zählenden Mann lag nördlich von München.

Niemand wollte das Bier.
Bastian Leikeim - Altenburger Brauerei

2011 führt sein Weg nach Altenburg. Die Brauerei war Eigentum seines Vaters Ulrich, aber mit hiesiger Geschäftsführung. Leikeim Senior hatte 1992 die Brauerei gekauft, nachdem hier das Experiment „Westbierherstellung“ gescheitert war. „Nur 10.000 Hektoliter, niemand wollte das Bier.“ Und nachdem der Vater Anfang der 90er Jahre den Bügelverschluss wiederbelebt und „damit einen Coup gelandet“ hatte, wollte er seine Privatbrauerei vergrößern und wurde in Thüringen fündig. Doch zehn Jahre später sei man in wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser geraten, sagt Bastian Leikeim.

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Für den Zweitgeborenen tat sich eine große Chance auf. Er übernahm die Brauerei in der Skatstadt. Sein älterer Bruder führt das Brauhaus in Altenkunstadt. Der Anfang sei schwer gewesen. Seine Liebe zum Bier ist zwar in die Wiege gelegt, aber das Brauereiwesen war nicht sein Traum. Vom Biertrinker musste sich Leikeim zum Bierkenner entwickeln. „Die Vielfalt der Geschmackswelten zu ergründen, das hat gedauert“, sagt er. Auch hatte es der Wessi im Osten nicht leicht. Er sei durch eine harte Schule gegangen, das habe ihn geprägt.

Der Altenburger Brauereichef Bastian Leikeim im historischen Sudhaus.
Der Altenburger Brauereichef Bastian Leikeim im historischen Sudhaus. © Katja Grieser | Katja Grieser

Altenburger Brauerei: Mitarbeiter waren skeptisch

„Die Mitarbeiter waren skeptisch, was nun passieren würde“, sagt er. Der scheidenden Chefin wurde nachgetrauert, dem Neuen manche Probleme angelastet - manches selbstgemacht, manches überliefert. Leikeim spricht nicht gern darüber. Eine Rüge des Werberates fängt er sich 2014 ein, weil die Plakatwerbung als sexistisch gewertet wird. Zur Grünen Woche habe er eine Gruppe Besucher am Stand getroffen. Der Eindruck war offenbar so tief, dass Leikeim sich fragte, ob er mit einem so beworbenen Bier verbunden sein möchte. Die neue Marketingstrategie verbindet nun Bodenständigkeit mit modernem Bier. Im April will er buntere Etiketten aus Normalpapier auf den Flaschen präsentieren. Neues sei ein Risiko, aber eher Chance als Gefahr.

Rund 11 Millionen Euro Umsatz würden die Altenburger aktuell erzielen, sagt Leikeim. Ein Gewinn wandere in die Maschinen. 400.000 bis 600.000 Euro kosteten die Investitionen. 2022 kam eine neue Kälteanlage, 2023 wurde das Vorlaufgefäß im Sudhaus ausgetauscht. „Wir befinden uns im Denkmalschutz, da fordert das Kupfer seinen Teil“, sagt der Chef. Beste Rohstoffe für das Bier kommen aus der Region. „Den Hopfen liefert der Deutsche Hopfenchampion Christian Berthold aus Monstab.“ Die Photovoltaikanlage ging 2021 in Betrieb. „Ein Teil des Bieres wird mit Sonnenenergie hergestellt“, für Leikeim ein schöner Gedanke.

Jeden Donnerstag ist Verkostungsrunde. Da wird über den Tellerrand geschaut. Während sich Braumeister und Chef täglich über die Altenburger Biere verständigen, stehen Biere aus anderen Landstrichen mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auf dem Tisch. „Einmal Pils, immer Pils“ gilt nicht. Vor einem Jahr brachten die Altenburger Karli’s Kellerbier auf den Markt, eine naturtrübe Hommage an Karl Saxl, den ersten Braumeister der Altenburger Brauerei. In hundertjährigen Brauaufzeichnungen wurde da gestöbert. „Das ist der schönste Teil am Beruf“, sagt Leikeim.

Große Herausforderungen für die Altenburger Brauerei

Weniger schön seien die wirtschaftlichen Herausforderungen für das mittelständische Unternehmen. „Die Leute geben weniger Geld für Lebensmittel aus, das Verhalten des Lebensmitteleinzelhandels ist schon fast unmenschlich gegenüber den kleinen Unternehmen und dann noch die politischen Rahmenbedingungen wie die Bürokratie“, sagt er. Gegenüber den großen Konzernen haben es die Familien- oder Vereinsbrauereien schwer, Krisen zu überstehen. Preisdumping lässt sich länger aushalten in einem Konzern. „Jeder kann essen und trinken, was er will.“ Doch zu Bedenken gibt Leikeim, dass die Biersteuer, die die regional verankerten Brauereien abführen, den Leuten hier wieder zugutekommen. Als Landessteuer fließen sie in Schulen- und Straßenbau zurück. Bei bloßen Produktionsstandorten ist das anders, deren Konzernmutter sitzt nicht im Thüringischen.

Dass die Altenburger gutes Bier brauen, können sie mit Preisen belegen. Eine Wand im Raum für Bierverkostungen hängt voll mit Urkunden. Neu ist der World Beer Award 2023 in Bronze für das Helle, mit Gold wurde 2022 das Sommerhell ausgezeichnet. Sogar die Hauptzutat seiner Biere ist prämiert: Im November gab es beim Wettbewerb „Deutscher Hopfen-Champion 2023“ Gold für Hopfen aus dem Altenburger Land, der auch in der Altenburger Brauerei zum Einsatz kommt.

Leikeim findet schade, dass die Hiesigen nicht auf Erfolge stolz sind. Es müsse ihnen immer jemand von außen sagen, was sie Schönes hier haben. Um Altenburg anziehender und bekannter zu machen, engagiert er sich im Tourismusverband, zieht an einem Strang mit Gleichgesinnten. Der Franke ist angekommen - bei den 50 Mitarbeitern, im Team, wie er die Braumeister, Verwaltungschefin und Vertriebsleiter nennt, und bei seinen Freunden. „Altenkunstadt wird meine Heimat bleiben. Doch mein Zuhause ist in Altenburg“, sagt er.