Posterstein/ Altenburger Land. Autor und Förster diskutieren im Altenburger Land: Wie Klima und Pflege das Überleben alter Bäume beeinflussen. Wie gehts den Wäldern?

Nachdem im ersten Podiumsgespräch im Februar Förster und Baumfreunde in Posterstein bereits diskutierten, ob Bäume heute noch alt werden dürfen, ging es am 17. März in der Neuen Scheune Posterstein um die Frage: Können Bäume noch alt werden?

Bäume im Zentrum der Postersteiner Podiumsdiskussion

Ein Jahr lang streifte der Erfurter Autor Frank Quilitzsch dazu mit Förstern und Baumforschern durch Thüringer Wälder. Dabei wurde deutlich, wie sehr die Bäume mit Wetter-Veränderungen, Schädlingen und anderen Herausforderungen zu kämpfen haben. Nach Posterstein war Frank Quilitzsch gekommen, um aus seinem Buch „Wilhelm, wie sieht der Wald wieder aus!“ zu lesen und mit Hans-Peter Schenk, Revierleiter des Forstreviers Schmölln, ins Gespräch zu kommen.

Die heutige Lesung gehörte zum Begleitprogramm der Sonderschau „Der Mann unter der 1000-jährigen Eiche – Über den Umgang mit faszinierenden Baumdenkmalen“ im Museum Burg Posterstein, die sich seit Eröffnung am 28. Januar schon über 2000 Besucherinnen und Besucher anschauten.

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Bäume im Altenburger Land brauchen unsere Wertschätzung

Die beiden Podiumsdiskussionen in Posterstein gingen nebenher auch der generellen Frage nach, warum Bäume unsere Wertschätzung brauchen. In Deutschland gibt es nur sehr wenige sehr alte Bäume. Ihre Bedeutung für den Menschen und der Umgang mit ihnen sichern das menschliche Überleben. Ob Bäume alt werden dürfen, liegt maßgeblich in der Hand des Menschen. Das wurde nach vielen Gesprächen deutlich. „Ob die Bäume alt werden können, liegt dagegen auch am Klima und den natürlichen Gegebenheiten“, weiß Marlene Hofmann von der Burg Posterstein.

Die Gründe, warum Bäume kein hohes Alter erreichen, sind vielfältig. Ein frühes Absterben kann biologische Ursachen haben: ein schlechter Standort, zu schnelles Wachstum, Zucker- und Lichtmangel, Schädlinge oder Krankheiten sowie Extremwetterereignisse. „Umso wichtiger sind Nachpflanzungen, die ausreichend Platz an einem geeigneten Standort einplanen“, so Hofmann. „Oft wird auf die Baumschutzverordnung geschimpft, aber man ist sich ziemlich sicher, dass, wenn diese abgeschafft werden würde, viel mehr Abholzungen passieren würden.“

Monokulturen sind im Altenburger Land nicht mehr zeitgemäß

Im Jahr 2020 war Autor Frank Quilitzsch, wie er selbst dieser Zeitung berichtet, erstmals mit mehreren Förstern in den Thüringer Wäldern unterwegs. „Und immer zu meinen Lesungen lade ich auch einen Förster aus der Region ein. Zum ganzen Thema Bäume kann ich sagen: das Waldsterben ist allgegenwärtig. Ostthüringen ist zum Beispiel fast komplett fichtenfrei.“

Die Reise des Autors begann im Februar 2020, als es seiner Empfindung nach sehr warm war für diesen Monat. „Ich habe mich also gefragt: Wo bleibt der Winter? Auf meiner Laufstrecke sind dann auch Äste abgebrochen und es hat sich einiges verändert“, erinnert sich Quilitzsch zurück. „Dann habe ich mir die Frage gestellt: Wie geht es denn dem Wald eigentlich und habe mich nach Oberhof aufgemacht zu Bernd Wilhelm mit den Fragen, wieso es keinen Schnee gibt und wie es dem Wald damit geht.“

In den Achtzigerjahren ging es laut dem Autor den Wäldern noch gut. „Eigentlich ging es 2003 mit der Dürreperiode los, immer mal mit Unterbrechungen, aber so etwa würde ich das Startdatum setzen. Und von 2018 bis 2020 gab es eben drei Jahre lang eine durchgängige Dürre.“ Die Bäume sind für den Autor ein Herzensthema, besonders die in Thüringen. „Wenn man einen Förster fragt, sagen die, dass es immer nur schlimmer wird und schlimmer geworden ist. Es regnet zwar, aber immer zur falschen Zeit. Und: Monokulturen sind total out.“

Förster des Altenburger Landes sind Optimisten

Laut Frank Quilitzsch sind Förster dennoch große Optimisten, die auch für ihre Enkel und Kinder noch Bäume pflanzen. „Mein Zauberspruch heißt: „Mischen possible“, angelehnt an den Film. Man muss unbedingt die Baumarten mischen, das ist der Schlüssel. Meine Bücher sind allerdings immer nur Erlebnisberichte, die Fachleute sprechen da klare Fakten.“

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Die Bäume sind nur eines der Projekte des Autors Frank Quilitzsch. Sein nächstes Thema ist unter anderem Wasser, für welches er bereits in Hochwasserregionen war. „Aber das braucht viel Zeit.“ Generell meint er, dass die Menschen einfach viel zu wenig bereit sind, ihr Leben zu ändern und auf die Natur zu schauen. „Es geht nur um Wohlstand, und keiner denkt an die nachfolgenden Generationen.“