Saale-Holzland. Welche Dinge Hermsdorfs Bürgermeister in der „Turmkugel“ für die Nachwelt hinterlassen hat

Hat jeder einen eigenen Lerncomputer? Gibt es Schulroboter? Müsst ihr noch einen Ranzen packen und damit zur Schule gehen? – Diese und viele weitere Fragen stellen 210 Kinder der Hermsdorfer Friedensschule mit ihren zehn Lehrerinnen. Wem? Menschen in der Zukunft, die irgendwann einmal in die Lage kommen, die Zeitkapsel im Rathausturm der Stadt zu öffnen.

Die Möglichkeit, ihr Blatt mit Fragen und Fotos in der „Turmkugel“ zu hinterlegen, hat sich geboten, weil der alte Rathausturm von 1896 nicht mehr zu retten ist und ersetzt werden muss. Mit Abbau des Turms Anfang November 2023, mussten auch Wetterfahne, Zeitkapsel und Turmglocke vorübergehend weichen und ausquartiert werden. Glocke, Wetterfahne und Zeitkapsel sind in der Schönheitskur, der Rathausturm ist vom Hermsdorfer Zimmermann Klaus Meister 1:1 nachgebaut worden.

Schüler und Lehrer der Hermsdorfer Friedensschule durften ein selbst gestaltetes Blatt mit in die Zeitkapsel stecken.
Schüler und Lehrer der Hermsdorfer Friedensschule durften ein selbst gestaltetes Blatt mit in die Zeitkapsel stecken. © OTZ | Ute Flamich

Die Zeitkapsel hat Bürgermeister Benny Hofmann (parteilos) im Beisein von Kerstin Gießhöfer vom Hermsdorfer Stadtarchiv mit neuen Dokumenten und Geld „gefüttert“. Hinein kamen zwei Amtsblätter, drei Ausgaben der OTZ, eine Broschüre „Willkommen in Hermsdorf“, Visitenkarten, ein Stadtplan, eine Haushaltssatzung und der Vorbericht dazu, eine Einwohner-Altersstruktur mit Stand bis Ende Januar 2024 sowie die Grußworte der Friedensschule mit Fragen an die Zukunft. Zudem zückte der Bürgermeister sein Portemonnaie, um Geld im Wert von einem Cent bis zum zehn Euro-Schein in der Zeitkapsel verschwinden zu lassen. „Das kann ich mir gerade noch leisten“, erwiderte er mit einem Schmunzeln auf die Frage, ob das eine private Spende sei. Das Buch „Hermsdorf – Historische Bilder und Erinnerungen“ war zu groß und konnte nicht, wie geplant, in der Kapsel untergebracht werden.

Saale-Holzland: Frost, Vereisung und starker Schneefall machten die Bauarbeiten zum Teil unmöglich

Leer war die Zeitkapsel bis dato aber nicht. Bürgermeister Gerd Pillau war es, der die Kugel zuletzt mit Zeugnissen aus Hermsdorfs Geschichte befüllte. Extra vakuumverschweißt kamen im Zuge der Restaurierung des Rathauses bis zur Rathausturmspitze in den Jahren 1995 und 1996 hinein: das Buch „Rundgang durch Hermsdorf“, zwei Amtsblätter, eine Festschrift und eine Silbermünze (25 Jahre Stadt Hermsdorf), ein Holzlandbote, eine OTZ, ein Stadtplan, Visitenkarten, die Einwohner-Altersstruktur mit Stand vom Januar 1996, die Baubeschreibung zur Sanierung des Daches sowie Geld vom Pfennig bis zum 10-Mark-Schein.

Über die Sanierung des Rathauses mit Saalgebäude war in den alten Unterlagen zu erfahren, dass sich die Baukosten damals allein für das Rathausdach auf 202.500 D-Mark beliefen. „Aufgrund des Bewilligungsverfahrens begannen die Bauarbeiten erst am 13. November 1995 und mussten seit November 1995 bis März 1996 häufig unterbrochen werden, da extremer Frost, Vereisung und starker Schneefall die Bauarbeiten zum Teil unmöglich machten. Voraussichtliches Bauende wird Ende März sein“, heißt es in dem Dokument.

Weitere Nachrichten aus dem Saale-Holzland-Kreis

Wann das Hermsdorfer Rathaus sein Dach wiederbekommt – inklusive Wetterfahne, Zeitkapsel und Glocke – hängt nun vom Wetter ab. Geplant war „die Krönung“ für die kommende Woche.